Islam-Hetze auf Facebook wegen Adventskalender von Lindt

Mit diesem Posting einer Userin fing alles an (Bild: Facebook)

Auf seiner Facebook-Seite muss der Schokoladenhersteller Lindt gerade einen Shitstorm über sich ergehen lassen. Grund: Ein Adventskalender der Firma hat eine vermeintliche Moschee als Motiv. In Zeiten wie diesen ein gefundenes Fressen für rechte Hetzer. Der Clou an der Geschichte: Den Kalender gibt es bereits seit zehn Jahren.

So kurz vor Weihnachten muss sich Lindt so Einiges gefallen lassen. Der Adventskalender "1001 Weihnachtstraum" verursachte eine regelrechte Islam-Hetze auf der Facebook-Seite des Schweizer Schoki-Herstellers. Der orientalische Palast auf dem Kalender erinnert pöbelnde User offensichtlich zu sehr an eine Moschee. "Lindt kaufe ich nicht mehr. Ein muslimischer Adventskalender ist die Verdrängung unserer Weihnachtstradition (Kalender)“, schreibt eine Userin auf der Facebook-Seite von Lindt.

Viele User nehmen den Shitstorm als Anlass, den Kalender erst recht zu kaufen (Bild: Facebook)

 Und mit ihrer Meinung steht die Frau nicht allein. "Hallo Firma Lindt, wir sind in Europa, und was wir ganz sicher gar nicht brauchen, ist ein Adventkalender vom Islam, den könnt ihr euch schenken, schade, hab eure Schokolade gerne gegessen, nun seid ihr für mich gestorben, denkt ihr überhaupt nach bevor ihr was in den Handel bringt?“, schreibt eine andere Userin.

Ein weiterer rassistischer Kommentar auf der Seite von Lindt (Bild: Facebook)

Damit hört der Shitstorm jedoch noch lange nicht auf: "Den orientalischen Kalender finde ich sowas von daneben. Wir werden von den Invasoren überrollt und dann so etwas.“ Ein Mann geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet den Adventskalender als "Halal-Kalender“. "Hiermit ergeht schärfster Protest, ab sofort werden keine Lindt-Produkte mehr gekauft“, so der User.

Einer der User hat ein Bild von Jörg Haider auf seinem Profil (Bild: Facebook)

Es gibt allerdings auch genug Menschen, die den Kalender des Herstellers lieben und sich auf die Seite von Lindt stellen. Es tobt ein regelrechter Krieg auf Facebook. "Sollen wir den kleingeistigen Shitstorm-Rassisten verraten, dass Jesus ein jüdischer Flüchtling war? Dann explodieren wahrscheinlich ihre Köpfe“, schreibt ein User.

"Ist das euer Ernst, liebe Besorgtbürger, dass ihr an diesem 10 Jahre (!) alten und vor allem wunderschönen Motiv eines Lindt Adventskalenders rumkartoffeln müsst? Lauft ihr durch den Supermarkt und kauft nur rein deutsches Essen? Dann muss eure Essensauswahl ja ziemlich beschränkt sein...wie euer Denken übrigens auch“, so eine Frau.

Ein Kommentar eines Adventskalender-Befürworters (Bild: Facebook)

Eine Userin setzt sogar noch eins drauf: "Orientalische Motive gehören zu Weihnachten. Jesus hieß schließlich nicht Kevin-Ronny. Er kam auch nicht aus Freital, Heidenau oder Meissen. Die heiligen drei Könige kamen nicht mit dem Trabbi. Und Bautzner Senf + Pulsnitzer Pfefferkuchen wären bei Maria und Josef auch nicht gut angekommen.“

Es gibt auch viele User, die der rechten Hetze mit Humor entgegnen: "Liebes Team von Lindt, ich liebe euren schönen Adventskalender '1001 Weihnachtstraum'. Er sieht wunderschön aus, die Schoki schmeckt super lecker und ich habe ihn auch gleich noch einer guten Freundin geschenkt. Ich bin schon so islamisiert davon, dass ich jetzt statt dreimal viermal in der Woche orientalisch tanzen gehe.“ Oder auch: "Ich finde Ihren Moschee-Weihnachtskalender schön. Ist doch gut, wenn die Islamhasser keine Lindt-Schokolade mehr essen wollen, dann bleibt mehr für uns.“

Und auch Lindt äußerte sich zu den Vorwürfen der User: "Lindt & Sprüngli möchte immer Freude bereiten und dies nicht nur mit bester Qualitätsschokolade und raffinierten Rezepturen, sondern auch mit einer ansprechenden Verpackung." Dem Unternehmen liege es fern, "mit unseren Produkten die Gefühle" der Kundschaft zu verletzen. "Es tut uns sehr leid, wenn dies der Fall war." Respekt und Toleranz, unabhängig von Geschlecht, Religion, politischer Auffassung und sonstigen Überzeugungen seien für die Firma Basis jeden Handelns.

Die komplette Stellungnahme von Lindt (Bild: Facebook)

"Selbstverständlich respektieren wir daher auch den kulturellen Hintergrund des Weihnachtsfestes." Und auch zum Motiv nimmt Lindt Stellung: "1001 Nacht ist seit über 10 Jahren ein Lindt-Klassiker an Weihnachten. Die Verpackung stellt eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände dar. Dazu gehören auch Architektur und Kultur, wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte."

Und tatsächlich: Das Motiv zeigt zwar eine Art Palast, ist allerdings keine Moschee, weil jegliche Art von islamischen Schriftzeichen fehlen. Und die Anspielung an die Weihnachtsgeschichte ist ebenfalls mit drin - der Morgenstern, die drei Heiligen aus dem Morgenland und eine Frau auf einem Esel, die von einem Mann geführt wird.

Auch wenn diese Aktion von Lindt nicht geplant war, etwas Gutes hatte der Shitstorm dann doch für den Schokoladenhersteller: Der Kalender ist sowohl online als auch in den Läden inzwischen vergriffen.

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