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Israelische Armee befreit zwei Geiseln bei dramatischer Rettungsaktion in Rafah

Bei einer dramatischen Rettungsaktion ist israelischen Spezialkräften die Befreiung von zwei Hamas-Geiseln in Rafah im südlichen Gazastreifen gelungen. Bei den Geretteten handelt es sich um den 60jährigen Fernando Marman und den 70jährigen Louis Har. (-)
Bei einer dramatischen Rettungsaktion ist israelischen Spezialkräften die Befreiung von zwei Hamas-Geiseln in Rafah im südlichen Gazastreifen gelungen. Bei den Geretteten handelt es sich um den 60jährigen Fernando Marman und den 70jährigen Louis Har. (-)

In einer dramatischen Rettungsaktion haben israelische Spezialkräfte in Rafah im südlichen Gazastreifen zwei Geiseln auf der Hand der Hamas befreit. Bei dem gemeinsam von der israelischen Armee, dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet und der Polizei koordinierten Einsatz "Goldene Hand" seien "zwei israelische Geiseln gerettet" worden, erklärte die Armee am Montag. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte danach, Israel werde "keine Gelegenheit auslassen", um die noch rund hundert im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln nach Hause zu bringen.

Bei den Geretteten handelt es sich um den 60-jährigen Fernando Simon Marman und den 70-jährigen Louis Har. Die beiden israelisch-argentinischen Doppelstaatler waren am 7. Oktober zusammen mit drei weiteren Familienangehörigen von der Hamas aus dem Kibbuz Nir Jitzchak entführt worden.

Nach ihrer Rettung wurden Marman und Har ins Scheba-Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv gebracht, wo Hars Schwiegersohn Idan Bejerano über das Wiedersehen mit der Familie berichtete: Es habe "jede Menge Tränen, Umarmungen, nicht viele Worte" gegeben. Die Familie habe eine "harte" und anstrengende Zeit des Wartens hinter sich, sagte Bejerano. "Wir sind heute glücklich, aber wir haben noch nicht gewonnen", fügte er hinzu. "Es ist nur ein weiterer Schritt, um auch alle anderen nach Hause zu bringen."

Nach Angaben von Armeesprecher Daniel Hagari begann der Spezialeinsatz zur Geiselbefreiung in der Nacht zum Montag um 01.49 Uhr (Ortszeit). Die Armee habe diesen "seit einiger Zeit geplant". Hagari sprach von einer "komplexen Rettungsaktion im Herzen von Rafah, die auf hochsensiblen und wertvollen Informationen fußte".

Israelische Spezialkräfte hätten "Louis und Fernando unter Beschuss aus der Wohnung in der zweiten Etage" geholt, wo sie "von bewaffneten Terroristen festgehalten" worden seien, sagte Hagari. Unter schwerem Beschuss seien beide anschließend von Soldaten in einen sicheren Bereich gebracht worden. Die Luftwaffe unterstützte die Aktion demnach mit Feuerschutz.

Die israelische Armee erklärte, bei der Befreiung der Geiseln seien "drei Terroristen in dem Gebäude, in dem sie festgehalten wurden", getötet worden.

Netanjahu und Verteidigungsminister Joav Gallant verfolgten den Einsatz per Video-Livestream. Der Regierungschef erklärte danach, "nur anhaltender militärischer Druck bis zum vollständigen Sieg" werde "zur Freilassung aller unserer Geiseln führen".

Bei dem beispiellosen Überfall der von der EU und der USA als Terrororganisation eingestuften Hamas auf Israel am 7. Oktober waren israelischen Angaben zufolge rund 1160 Menschen getötet und 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. Laut der jüngsten AFP-Zählung werden noch immer 130 Geiseln im Gazastreifen festgehalten, darunter 15 Frauen und zwei Kleinkinder. 30 von ihnen gelten als tot.

Bisher wurden 112 Geiseln freigelassen: 33 Minderjährige, 49 Frauen und 30 Männer, die meisten von ihnen thailändische Gastarbeiter. 105 der Geiseln kamen im Zuge einer einwöchigen Feuerpause im November frei - darunter zwei Schwestern von Fernando Marman und seine 17jährige Nichte Mia Leimberg, die zusammen mit ihrem Hund Bella aus dem Schutzraum der Familie im Kibbuz Nir Jitzchak von den Islamisten verschleppt worden war.

Israel hat als Reaktion auf den Angriff der Hamas deren Vernichtung angekündigt. Bei dem massiven Militäreinsatz im Gazastreifen sind nach jüngsten Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 28.300 Menschen getötet worden.

In Rafah sind angesichts der Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der Hamas mehr als eine Million Flüchtlinge aus anderen Teilen des Palästinensergebietes gestrandet. Netanjahu hatte seine Armee vergangene Woche angewiesen, einen "kombinierten Plan zur Evakuierung der Bevölkerung und zur Zerstörung der Bataillone" der Hamas in Rafah vorzulegen.

Die Hamas hatte am Sonntag gewarnt, eine solche Offensive "torpediere" jede Vereinbarung über eine Freilassung der Geiseln, die sie im Gazastreifen noch festhält. Seit Wochen laufen unter der Vermittlung von Katar, Ägypten und den USA Verhandlungen zur Freilassung der Geiseln im Gegenzug zu einer weiteren Waffenruhe im Gazastreifen. Bislang kam jedoch keine Einigung zustande.

Das Auswärtige Amt kündigte derweil an, dass Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Mittwoch erneut zu politischen Gesprächen nach Israel reisen werde. Einem Sprecher zufolge will die Ministerin bei der zweitägigen Reise mit Netanjahu, Staatspräsident Isaac Herzog sowie dem israelischen Außenminister Israel Katz zusammentreffen.

kas/ju