Israel greift im Gazastreifen mit voller Härte an - Mehr als 40 weitere Tote

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Angehörige trauern um einen getöteten Palästinenser

Trotz verstärkter internationaler Bemühungen um ein Ende der Gewalt ist der Raketenbeschuss zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas am Wochenende unvermindert weitergegangen. Allein am Sonntag starben bei israelischen Angriffen nach Palästinenserangaben mehr als 40 Menschen im Gazastreifen. In Ost-Jerusalem wurden mehrere Menschen bei einem Anschlag mit einem Auto auf israelische Sicherheitskräfte verletzt.

Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern ist in den vergangenen Tagen in einem Maße eskaliert wie seit Jahren nicht mehr. Das israelische Militär teilte am Sonntagmorgen mit, es habe allein in den 24 vorherigen Stunden mehr als 90 Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Die mehr als 40 Toten am Sonntag durch die israelischen Angriffe - darunter acht Kinder - waren nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums die bisher höchste Opferzahl binnen eines Tages seit Beginn der aktuellen Gewalteskalation. Insgesamt starben demnach seit Montag 188 Menschen in dem palästinensischen Küstengebiet durch den Konflikt, darunter 55 Kinder. Mehr als 1200 Menschen wurden dort verletzt.

Radikale Palästinenser schossen ihrerseits aus dem Küstenstreifen seit Montag rund 3000 Raketen auf Israel ab, wie das israelische Militär am Sonntag mitteilte. Etwa 450 stürzten demnach auf dem Gebiet des Gazastreifens ab, rund 1150 wurden vom israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eiserne Kuppel) abgefangen. In Israel wurden seit Montag zehn Menschen durch Raketenbeschuss getötet und mehr als 280 verletzt.

In Ost-Jerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah wurden am Sonntag bei dem Anschlag mit einem Auto sechs Polizisten verletzt, wie die israelische Polizei mitteilte. Nach Angaben örtlicher Rettungskräfte gab es insgesamt sieben Verletzte. Über Zustand und Identität des Angreifers, der mit Schüssen gestoppt werden konnte, war zunächst nichts bekannt.

Die israelischen Streitkräfte nehmen bei ihren Angriffen im Gazastreifen nach eigenen Angaben besonders die Infrastruktur der militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad ins Visier. Auch das Haus des Chefs des politischen Flügels der Hamas, Jahia Sinwar, wurde nach Militärangaben zerstört. Ob Sinwar bei dem Anschlag getötet wurde, war unklar.

Am Samstag hatte vor allem die Zerstörung eines von internationalen Medien genutzten Gebäudes durch Israel international für Empörung gesorgt. Die Armee begründete den Angriff damit, dass sich darin auch militärische Anlagen des Geheimdienstes der Hamas befunden hätten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete das Gebäude im des US-Senders CBS News als "perfekt legitimes Ziel". Es seien alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, um Zivilisten zu schützen.

International wächst die Angst vor einem erneuten Krieg in Nahost. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer "unkontrollierbaren" Krise in der ganzen Region. "Dieser sinnlose Kreislauf aus Blutvergießen, Terror und Zerstörung muss sofort beendet werden", forderte Guterres am Sonntag in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zum Nahost-Konflikt.

Der palästinensische Außenminister Rijad al-Maliki warf Israel in der virtuellen Sitzung "Kriegsverbrechen" vor. "Einige wollen diese Worte vielleicht nicht benutzen - Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit - aber sie wissen, dass sie wahr sind", sagte er. Israels Botschafter bei der UNO, Gilad Erdan, wiederum erklärte, die tödliche Gewalt sei vorsätzlich von der Hamas herbeigeführt worden.

Die EU-Außenminister wollen laut dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Dienstag auf einer Krisensitzung darüber beraten, wie "die EU am besten zu einem Ende der derzeitigen Gewalt beitragen" kann. Der Nahost-Gesandte der US-Regierung, Hady Amr, wollte am Sonntag zu Gesprächen mit israelischen Regierungsvertretern zusammenkommen und im Anschluss palästinensische Verantwortliche treffen.

Auch Papst Franziskus rief die Konfliktparteien auf, die Gewalt einzustellen, und warnte vor einer "Spirale aus Tod und Zerstörung".

mkü/dja

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