IStGH spricht erstmals Opfern von Kriegsverbrechen symbolische Entschädigung zu

Erstmals hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Opfern von Kriegsverbrechen eine symbolische Entschädigung zugesprochen. Die 297 Opfer eines Massakers in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2003 sollten jeweils die "symbolische" Summe von 250 Dollar (etwa 231 Euro) erhalten, urteilten die Richter am Freitag in Den Haag. Für das Massaker wird die Miliz des kongolesischen Kriegsverbrechers Germain Katanga verantwortlich gemacht.

Katanga wurde 2014 der Beihilfe zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nach Einschätzung des IStGH ermöglichte er durch Waffenlieferungen ein "besonders grausames" ethnisch motiviertes Massaker im Nordosten des Kongo. Dabei waren im Februar 2003 in Bogoro 200 Menschen überwiegend mit Macheten getötet und zahlreiche Frauen vergewaltigt worden.

Die individuellen und gemeinschaftlichen Schäden des Massakers wurden von dem Gericht auf rund 3,7 Millionen Dollar veranschlagt. Der IStGH urteilte, dass Katanga persönlich für eine Million Dollar davon haftbar ist. Das Gericht erkannte aber die weitgehende Mittellosigkeit des 38-Jährigen an. Katanga wurde aufgefordert, sich für das Massaker öffentlich zu entschuldigen.

Opferanwälte forderten im vergangenen Jahr Entschädigungszahlungen in Höhe von 16,4 Millionen Dollar. Nach ihren Aufstellungen wurden bei dem Massaker 228 Wohnungen zerstört. "Was sollen 250 Dollar an unserem Leben ändern?", fragte Jean Bosco Lalo von der Ituri-Bürgerrechtsgruppe. "Unsere Gemeinschaften haben schon ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wir haben neue Häuser gebaut und unsere Toten begraben."

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