Italiens Justiz ermittelt gegen Verdächtige wegen Lawinen-Unglücks in Abruzzen

Im Zusammenhang mit dem tödlichen Lawinenunglück in den Abruzzen hat die italienische Justiz sechs Ermittlungsverfahren eingeleitet und dabei auch mehrere hochrangige Lokalpolitiker ins Visier genommen. Den Verdächtigen werde "Fahrlässigkeit, Unbedachtsamkeit und Sorglosigkeit" zur Last gelegt, berichteten Lokalmedien am Donnerstag.

Strafrechtlich ermittelt werde unter anderem gegen Bürgermeister Ilario Lacchetta, den Provinz-Präsidenten von Pescara, Antonio di Marco, und Hotelmanager Bruno di Tommaso.

Insgesamt waren 29 Menschen gestorben, als im Januar eine Lawine über das Berghotel Rigopiano niederging. Überlebende und Hinterbliebene hatten den Behörden vorgeworfen, das Hotel trotz der Lawinengefahr nicht rechtzeitig evakuiert zu haben. Als die Lawine das Hotel begrub, hatten die Gäste dort bereits stundenlang auf ihre Abreise gewartet, weil eine Zufahrtsstraße nicht vom Schnee befreit worden war.

Die Ermittlungen sollen dem Bericht zufolge auch der Frage nachgehen, ob die Pläne der zuständigen Behörden zur Dämmung der Lawinengefahr ausreichend sind. Es sei damit zu rechnen, dass die Ermittlungen auf weitere Verdächtige ausgeweitet werden.

Das Rigopiano war 1972 an der Stelle einer einfachen Schutzhütte in 1200 Metern Höhe eröffnet und vor zehn Jahren zu einem eleganten Vier-Sterne-Hotel mit Sauna und Pool ausgebaut worden. Lange Zeit hatte die Justiz auch zu der Frage ermittelt, ob Gemeindevertreter bestochen wurden, um beim Ausbau des Hotels beide Augen zuzudrücken. Im November, wenige Wochen vor der Katastrophe, wurden die Ermittlungen eingestellt.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen