Jahrestag des Germanwings-Absturzes: Gedenken an die Opfer, Zoff um die Hintergründe

In Digne-les-Bains in den französischen Voralpen haben die Angehörigen der Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes der 150 Insassen gedacht. Auch in Haltern am See in Deutschland gab es eine Trauerfeier. Aus dem Ort kam eine Schülergruppe, die bei dem Absturz vor genau zwei Jahren ums Leben kam.

Den Jahrestag wählte der Vater des Copiloten, Günter Lubitz, für eine Stellungnahme, in der er schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhebt. Manche Dinge seien gar nicht untersucht worden, vielleicht, weil man sie nicht untersuchen wollte, so Lubitz gegenüber Zeit Online. Er zweifelt an, dass sein Sohn, wie bisher angenommen, das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht habe. Dieser habe zum Zeitpunkt des Absturzes nicht an Depressionen gelitten.

Nach dem Unglück war bekannt geworden, dass der Copilot sich früher in psychologischer Behandlung befunden hatte. Auch hatten die Ermittler auf seinem Computer Hinweise gefunden, aus denen sie auf eine Selbstmordabsicht schlossen.

Der Vater stützt sich dabei auf ein neues Gutachten eines Journalisten, der die mehrere Tausend Seiten dicken Ermittlungsakten ausgewertet hat.

Elmar Giemulla, der Anwalt der Opferfamilien, kritisierte den Zeitpunkt der Äußerungen von Lubitz. Er sagte, die Angehörigen seien schockiert und sprachlos. Der Jahrestag verlange Stille und Konzentration.

Lubitz rechtfertigte den Termin: “Wir haben diesen Tag nicht gewählt, um die anderen Angehörigen zu verletzen. Wir haben ihn gewählt, weil er am meisten Gehör für unser Anliegen verspricht.”

Keine Zweifel bei den Behörden

Das deutsche Bundesverkehrsministerium teilte mit, es gebe keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der bisherigen Ermittlungen zu zweifeln. Auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung wies die gegen ihre Behörde erhobenen Vorwürfe zurück. Die Pilotenvereinigung Cockpit sieht die Kritik am Abschlussbericht ebenfalls als unberechtigt an.

Zum Jahrestag des Absturzes hat der Anwalt der Opferfamilien nach eigenen Angaben Klagen für höhere Schmerzensgelder eingereicht. Das Landgericht Düsseldorf bestätigte den Eingang der Klagen zunächst nicht. Carsten Spohr, Chef der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa, hatte vor einem Jahr gesagt, dass nächste Angehörige ohne weitere Prüfung 10.000 Euro bekommen sollen.

Weitere Informationen

Der erste Bericht über das neue Gutachten

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