Jakartas christlicher Gouverneur Purnama deutlicher Verlierer der Stichwahl

Der siegreiche Kandidat Anies Baswedan

Indonesiens Hauptstadt Jakarta wird künftig wieder von einem Muslim regiert: Bei der Stichwahl um das Gouverneursamt unterlag der bisherige christliche Amtsinhaber Basuki Tjahaja Purnama seinem muslimischen Herausforderer deutlich, wie Hochrechnungen am Mittwoch ergaben. Dem ehemaligen Bildungsminister Anies Baswedan wurde ein Vorsprung von mehr als zehn Prozentpunkten vorausgesagt.

Das Wahlergebnis ist auch eine Niederlage für Staatschef Joko Widodo, dessen Partei den Amtsinhaber Purnama unterstützt hatte. Mit amtlichen Ergebnissen wird erst Anfang Mai gerechnet. Die privaten Umfrageinstitute, die sich auf repräsentative Stichproben stützen, liegen allerdings in der Regel richtig. Bei einigen führte Baswedan mit 57 Prozent vor Purnama mit 43 Prozent. Purnama gratulierte bereits seinem Kontrahenten.

Die Wahl fand statt, während gegen den christlichen Gouverneur seit Dezember ein Verfahren wegen Beleidigung des Islams anhängig ist. Die Anklage wirft Purnama vor, sich im Wahlkampf abfällig über den Koran geäußert und damit Blasphemie begangen zu haben. Er beteuert dagegen, er habe lediglich die missbräuchliche Verwendung von Koranversen durch seine politischen Gegner kritisiert.

Hunderttausende konservative Muslime gingen seit September zu wütenden Protesten gegen Purnamas angebliche Gotteslästerung auf die Straße. Die Gouverneurswahl galt deshalb auch als Test, ob der in Indonesien traditionell praktizierte gemäßigte Islam durch seine fundamentalistische Variante bedroht ist.

Purnamas Anhänger warfen Baswedan vor, bei der Jagd nach Stimmen muslimischen Hardlinern nachgegeben zu haben. Purnama war Jakartas erster nichtmuslimischer Gouverneur seit einem halben Jahrhundert und zudem der erste ethnische Chinese.

Aus der ersten Runde der Gouverneurswahl im Februar war der unter seinem Spitznamen Ahok bekannte Purnama, der sich einen Namen als Sanierer der Stadt machte, noch als Sieger hervorgegangen. Doch die Anhänger eines im ersten Durchgang ausgeschiedenen muslimischen Kandidaten stimmten in der Stichwahl offenbar mit großer Mehrheit für Baswedan.

Das indonesische Strafrecht sieht harte Strafen für Blasphemie vor, allerdings wurde der entsprechende Paragraph bislang nur selten angewendet. Die Staatsanwaltschaft hält an dem Vorwurf der Blasphemie gegen Purnama fest und will am Donnerstag das von ihr geforderte Strafmaß bekanntgeben. Das Urteil wird Wochen später erwartet.

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