Japan behält nach Flucht von Ex-Nissan-Chef Ghosn Millionen-Kaution ein

Ghosn im April 2018

Nach der abenteuerlichen Flucht des ehemaligen Nissan-Chefs Carlos Ghosn aus Japan behält der Staat die von ihm gezahlte Kaution ein. Ein Gericht in Tokio bestätigte am Dienstag, die 1,5 Milliarden Yen (mehr als zwölf Millionen Euro) würden Ghosn nicht erstattet. Der 65-Jährige war im April 2019 auf Kaution und unter strengen Auflagen aus der Haft entlassen worden. Er setzte sich Ende Dezember in den Libanon ab.

Immer mehr Details seiner Flucht werden nach und nach bekannt. Japanischen Medienberichten zufolge verließ er sein Haus in Tokio, nahm einen Schnellzug nach Osaka und verließ das Land, in einer großen Kiste versteckt, in einem Privatjet Richtung Istanbul. Ein Vertreter des Verkehrsministeriums in Tokio sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass Gepäckkontrollen bei Privatjets nicht vorgeschrieben seien. Die Kiste war offenbar auch zu groß für den Gepäckscanner am Flughafen Kansai.

Justizministerin Masako Mori sagte am Dienstag, dieses Schlupfloch sei nun geschlossen worden. "Ich habe nach der Flucht von Carlos Ghosn angewiesen, dass die Kontrollen verschärft werden." Es sei ab sofort vorgeschrieben, dass Gepäck auch an Bord von Privatjets vor dem Abflug untersucht werde. Auf den beiden wichtigsten Tokioter Flughäfen Haneda und Narita sowie auf dem Airport Kansai würden die neuen Regeln seit Montag gelten.

Ghosn war Chef des Verwaltungsrates von Nissan, als er im November 2018 in Japan festgenommen worden war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, Firmenkapital zweckentfremdet und private Verluste auf Nissan übertragen zu haben.

Der 65-Jährige selbst sprach von einer Verschwörung bei Nissan, um ihn loszuwerden. Grund sei, dass er Nissan noch näher an den französischen Autobauer Renault heranführen wollte. Weitere Einzelheiten will Ghosn auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Beirut nennen.

Japan erließ wenige Tage nach der Flucht Interpol-Haftbefehl gegen Ghosn, am Dienstag Medienberichten zufolge auch gegen seine Frau Carole Ghosn wegen Falschaussage. Die libanesische Justiz hat angekündigt, sie werde Ghosn vorladen. Die Regierung hat aber betont, Ghosn sei legal eingereicht. Es gebe kein Auslieferungsabkommen mit Japan.

Ghosn besitzt die libanesische, die brasilianische und die französische Staatsangehörigkeit. Auch Frankreich hat bereits erklärt, Ghosn nicht auszuliefern, sollte er französischen Boden betreten.