Nordkorea rät Ausländern in Südkorea zur Ausreise

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Kim Jong Un

Nordkorea hat im benachbarten Südkorea lebende Ausländer aufgerufen, das Land zu verlassen. "Im Falle eines Krieges wollen wir nicht, dass in Südkorea lebende Ausländer verletzt werden." Die koreanische Halbinsel steuere auf einen "thermo-nuklearen Krieg" zu

Nordkorea hat erneut vor einem Atomkrieg gewarnt und Ausländer in Südkorea zum Verlassen des Landes aufgefordert. In Südkorea lebende Ausländer sollten nicht den Gefahren eines Krieges ausgesetzt werden, erklärte das nordkoreanische Asiatisch-Pazifische Friedenskomitee. Das Auswärtige Amt ließ seine Sicherheitshinweise für Nord- und Südkorea zunächst unverändert, und auch weitere westliche Partnerländer reagierten gelassen.

Die koreanische Halbinsel steuere auf einen "thermo-nuklearen Krieg" zu, hieß es in der Erklärung des staatlichen Friedenskomitees, die von der Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde. Sämtliche ausländische Organisationen, Firmen und Touristen sollten daher "Maßnahmen zur Evakuierung und Schutzsuche" ergreifen.

Erst am Freitag hatte die nordkoreanische Führung den Botschaften in Pjöngjang empfohlen, eine Evakuierung zu prüfen, weil sie im Konfliktfall die Sicherheit der Mitarbeiter nicht gewährleisten könne. Am Dienstag hieß es in Brüssel, die sieben EU-Länder, die in Nordkorea eine Botschaft unterhalten, darunter Deutschland, planten derzeit nicht, diese zu räumen.

China forderte den Schutz von Ausländern auf der koreanischen Halbinsel. Peking wolle "nicht das Chaos des Krieges vor seiner Haustür sehen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Peking ist eine wichtige Stütze der nordkoreanischen Führung. Jüngst hatte China die Konfliktparteien angesichts wachsender Spannungen wiederholt zur Zurückhaltung aufgerufen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte, dass bereits ein kleiner Zwischenfall in dem Konflikt eine "unkontrollierbare Situation" auslösen könne. Er habe alle Nachbarstaaten deshalb aufgefordert, Einfluss auf die Führung in Pjöngjang zu nehmen, um die Lage zu beruhigen.

Im Auswärtigen Amt hieß es indes, die Äußerungen Pjöngjangs reihten sich ein in die "bekannte Rhetorik der gezielten Eskalation von Seiten Nordkoreas". Die Reise- und Sicherheitshinweise für Süd- und Nordkorea müssten nicht aktualisiert werden. Die Lage werde jedoch "laufend evaluiert". Dies gelte auch für die deutsche Botschaft in Pjöngjang, deren Arbeitsfähigkeit derzeit gewährleistet sei.

Auf der Website des Auswärtigen Amts hieß es zu Südkorea weiter, eine militärische Aktion seitens Nordkoreas könne "nicht ausgeschlossen werden". Eine "konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger" werde aber derzeit nicht gesehen. Für Nordkorea rät Berlin weiter, von nicht notwendigen Reisen abzusehen.

Auch das französische Außenministerium erklärte, die rund 2000 in Südkorea lebenden Franzosen würden vorerst nicht zum Verlassen des Landes aufgefordert. Paris stehe mit seinen Partnern aber in engem Kontakt. Auch ein Sprecher der britischen Botschaft in Seoul sagte, es bestehe derzeit "keine unmittelbare Gefahr" für Landsleute in Südkorea.

Wie das japanische Verteidigungsministerium mitteilte, wurden in der Nacht auf seinem Gelände im Zentrum der Hauptstadt Tokio zwei Patriot-Abwehrsysteme installiert. Sie sollten möglicherweise Richtung Japan abgeschossene nordkoreanische Raketen abfangen.

Nordkorea machte seine Ankündigung vom Montag wahr und ließ seine rund 53.000 Beschäftigten nicht in der auf seinem Territorium gelegenen und gemeinsam mit Südkorea betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong zur Arbeit erscheinen. Damit ruht die Arbeit dort zum ersten Mal, seit die Zone 2004 eingerichtet wurde.