Je höher die Position, desto wahrscheinlicher sexuelle Belästigung

Alice Tielich
Freie Autorin

Sexuelle Belästigung im beruflichen Umfeld ist traurige Realität. Die Geschichten, die es in die Schlagzeilen schaffen, handeln meist von Frauen, die in der Unternehmenshierarchie unter einem Mann stehen und von diesem belästigt werden. Aber auch Frauen in Chefpositionen sind vor solchen Übergriffen nicht sicher – im Gegenteil.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz trifft auch Frauen in Führungspositionen. (Bild: Getty Images)

Das ergibt die Studie “Sexual Harassment of Women Leaders”, die mit knapp 27.000 Frauen auf drei Kontinenten durchgeführt wurde. Die Untersuchung wandte sich an Teilnehmerinnen in den USA, Japan und Schweden, und deren Antworten machen klar, dass Frauen in Führungspositionen vor sexuellen Übergriffen im Beruf alles andere als geschützt sind.

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Tatsächlich haben sie mit diesem Phänomen sogar noch mehr zu kämpfen als Angestellte in niedrigeren Positionen. So berichten sie 30-100 Prozent häufiger von derartigen Angriffen als ihre Kolleginnen. Dabei würde man eigentlich davon ausgehen, dass Frauen mit weniger Macht eher Opfer von sexueller Gewalt werden.

Sexuelle Gewalt demonstriert unter anderem Macht

Die Studie schließt Deutschland zwar nicht ein, aber die Situation stellt sich hier ähnlich dar, wie Zahlen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes belegen. Am häufigsten erleben Frauen sexuelle Belästigung durch Kollegen auf der gleichen Hierarchiestufe, aber auch durch Vorgesetzte und Kunden. Denn sexuelle Belästigung ist nicht nur ein Mittel zur Demonstration von Macht – durch sie wird ebenso Konkurrenz ausgeübt oder Respektlosigkeit zum Ausdruck gebracht.

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Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat einen Leitfaden herausgegeben, der Betroffenen eine Hilfestellung sein soll. Die Einrichtung nennt darin weitere Fakten, die wenig überraschen. In Deutschland sind Frauen deutlich öfter Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Aber die Übergriffe müssen nicht nur von Männern stattfinden, auch Frauen können Täter sein. Ebenso ist es möglich, dass Frauen durch eine ganze Gruppe bedrängt werden und nicht nur von Einzeltätern. Zudem fällt bei Befragungen auf: viele Formen sexueller Belästigung werden nur von rund zwei Dritteln der Befragten als solche verstanden, wie beispielsweise anzügliche Witze oder etwa unerwünschtes Anstarren.

Wie wird sexuelle Belästigung definiert?

Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist sexuelle Belästigung definiert als “ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.”

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