Jeffrey Epstein: Solange das Geld fließt, fragt niemand nach

Eike Kühl

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterstützte das MIT Media Lab und traf Unternehmer wie Bill Gates. Jetzt muss sich die Techbranche fragen, mit wem sie sich einließ.

Jeffrey Epstein verkehrte mit bekannten Personen aus der Technikbranche. © Krzysztof Kowalik/​Unsplash; Rick Friedman/​Corbis via Getty Images

Jeffrey Epstein war, so liest man, ein ebenso erfolgreicher wie charismatischer Geschäftsmann. Seit den Achtzigerjahren verkehrte der Investmentbanker und Berater sowohl privat als auch beruflich mit Schauspielern, Models, Politikerinnen und zunehmend mit Gründern aus dem Silicon Valley, führenden Wissenschaftlerinnen und Akademikern. Der Multimillionär spendete gut und gerne Geld an NGOs, Forschungsprojekte und Universitäten – und die nahmen es lange Zeit dankend an. Selbst dann noch, als der Name Jeffrey Epstein in der Öffentlichkeit längst nicht mehr gut ankam.

Jeffrey Epstein war nämlich auch ein verurteilter Sexualstraftäter. Ab 2005 legte eine Untersuchung offen, dass Epstein über Jahre hinweg Frauen und minderjährige Mädchen missbraucht und zur Prostitution gezwungen hatte. Epstein verbrachte aufgrund guter Führung lediglich 13 Monate im Gefängnis, wobei er allerdings unter der Woche meistens Freigang hatte, um weiterhin zu arbeiten. Anfang Juli 2019 wurde er aufgrund neuer Erkenntnisse erneut verhaftet, am 10. August starb er in seiner Gefängniszelle – Suizid, heißt es offiziell.

Jetzt, einen Monat nach Epsteins Tod, wird sein Einfluss zu Lebzeiten kritisch beäugt. Es geht um die Frage, ob man als Unternehmen, Hochschule oder Wissenschaftler Geld von einem verurteilten Kriminellen annehmen sollte. Wo hören private Spenden auf und wo fangen die moralischen Bedenken an? Und was sagt das über das Selbstverständnis von Wissenschaft und Technikbranche aus?

Treffen mit Silicon-Valley-Promis

Im Mittelpunkt der Debatte steht das MIT Media Lab, eine Fakultät des Massachusetts Institute of Technology, die an der Schnittstelle von Kultur und Technologie arbeitet und vor allem durch Spenden finanziert wird. Vergangene Woche zeigten Recherchen des US-Magazin New Yorker, dass Lab-Leiter Jōichi Itō über einen längeren Zeitraum Spenden von Jeffrey Epstein angenommen haben soll. Und zwar in einem Umfang, der deutlich größer war, als Itō zunächst angab. Insgesamt 7,5 Millionen US-Dollar soll Epstein über Partner an das Media Lab überwiesen haben. Weil er aber auf der schwarzen Liste unerwünschter Spender des MIT stand, haben die Verantwortlichen des Media Lab versucht, Epsteins Namen in offiziellen Dokumenten möglichst nicht zu erwähnen. Sein Deckname soll Voldemort gewesen sein – benannt nach dem Bösewicht aus Harry Potter.

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