Jenny Jürgens bei Beckmann: "Udo weinte hinter der Bühne"

Carmen Schnitzer
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Jenny Jürgens bei Beckmann: "Udo weinte hinter der Bühne"

Fast fünf Jahre sind seit Udo Jürgens' Tod vergangen, doch bei manchen Erinnerungen schießen Tochter Jenny immer noch die Tränen in die Augen. So geschehen in der NDR-Talkshow "Reinhold Beckmann trifft ...", in der sie und Wayne Carpendale erzählten, wie es ist, das Kind einer Legende zu sein.

Fast fünf Jahre sind seit Udo Jürgens' Tod vergangen, doch bei manchen Erinnerungen schießen Tochter Jenny immer noch die Tränen in die Augen. So geschehen in der NDR-Talkshow "Reinhold Beckmann trifft ...", in der sie und Wayne Carpendale erzählten, wie es ist, das Kind einer Legende zu sein.

"Bonzenkinder"-Rufe, Prügel, hämische Blicke - wenn der Vater ein Superstar ist, hat man es als Sprössling oft schwer. "Meine Schulzeit war zeitweise die Hölle", erinnerte sich Schauspieler Wayne Carpendale, Sohn von Schlagersänger Howard, in der NDR-Sendung "Reinhold Beckmann trifft ...", und auch seine Kollegin, Udo Jürgens' Tochter Jenny, weiß von unschönen Begegnungen zu berichten.

Dennoch zeigten sich beide tief dankbar für die Erfahrungen, die sie mit ihren Vätern machen durften - und auch mit ihren Müttern. "Meine Mama war fantastisch", betonte Jenny und auch Wayne war wichtig zu erwähnen, wie stark ihn auch seine Mutter geprägt hat: "Sie war Modedesignerin, bei uns waren ständig Models - das war mindestens ein ebenso abnormales Leben wie das meines Vaters."

Beide erinnerten sich überdies an einen sehr offenen Umgang der Eltern mit der Patchwork-Situation: "Da saßen alle am Tisch, Mama mit ihrem neuen Freund, Papa mit seiner neuen Freundin ...", erzählte Jenny, und Wayne berichtete augenzwinkernd von der ersten Begegnung mit Stiefmutter Donnice: "Die habe ich einmal mit der Gabel durch die Wohnung gejagt, und danach waren wir beste Freunde!"

"Das muss raus, sonst werde ich krank"

Nichtsdestotrotz drehte sich das Gespräch vor allem um die Väter der beiden Talkgäste. So schilderte etwa Jenny den Moment, an dem sie erfuhr, dass ihr Vater im Sterben lag: "Ich saß nach anstrengenden sechs Monaten 'Rote Rosen'-Dreh mit all meinen Freunden auf Mallorca in einem Fischrestaurant am Meer, freute mich auf zehn Tage Pause ..." Mitten in dieses wunderbare Szenario platzte die Nachricht ihres Bruders John. "Dann hat mein Mann übernommen, der ist super. Hat mir einen Flug gebucht, meinen Koffer gepackt ..."

Die Erinnerung an das Abschiednehmen nahm Jenny sichtlich mit. Vor allem ein "irre emotionaler" Moment ließ ihre Augen feucht werden und ihre Stimme zittern: "Beim Landeanflug auf Zürich flog gefühlt direkt an meinem Fenster eine Sternschnuppe vorbei, mit Schweif, so was von hell, so was von groß ..." Sie sei "kein besonders übersinnlicher Mensch", doch in dem Moment sei es so gewesen, "als würde sich mein Vater von mir verabschieden."

Mit einer Flasche Weißwein und YouTube-Videos ihres Papas habe sie in den Wochen danach jeden Freitag nach der Arbeitswoche verbracht und geweint. "Ich wusste, das muss raus, sonst werde ich krank." Bis heute fehlt ihr der Vater, den sie im Gespräch mal "Udo" und mal "Papa" nennt. Unter anderem wegen der Nächte, die sie mit ihm durchquatschte - "das waren die längsten, Wodka-Tonic-getränktesten meines Lebens. Wir haben über alles geredet, teilweise bis halb zehn Uhr morgens in irgendeiner Bar ... Das vermisse ich. Der Tod eines Elternteils ist eine Amputation, ein Phantomschmerz bleibt."

Panikattacken und Kontrollzwänge

Dass auch ihr eigener Weg schließlich ins Rampenlicht führte, war nicht immer einfach: "Ich hatte zehn Jahre lang eine Panikstörung, extreme Angst vor Auftritten. Erst nach fünf, sechs Jahren habe ich mir Hilfe gesucht, eine Therapie gemacht, und mittlerweile habe ich seit Jahren keine Attacke mehr gehabt." Diese Panik vorm Versagen kannte auch ihr Vater: "Teilweise lag der hinter der Bühne bei der Mama weinend auf dem Schoß, während vorne die Leute 'Udo, Udo' riefen. Beim Auftritt hat davon niemand mehr etwas gemerkt."

Wayne Carpendale erinnert sich an Ähnliches: "Mein Vater hatte auch Phasen, da durfte eine Stunde vor dem Auftritt niemand mehr in seine Garderobe." Inzwischen sei Howard aber "so was von tiefenentspannt". Ähnlich wie sein Sohn, der seine früheren Ängste und Kontrollzwänge "mittlerweile unter Kontrolle hat" - die Ironie bemerkte er lächelnd selbst. So relaxt war Wayne zeitweise, dass er etwa bei seinen Karl-May-Festspiele-Auftritten als Old Shatterhand in Bad Segeberg manchmal bis zu einer Viertelstunde vorher noch daheim gesessen, schließlich kurz geduscht und sich dann aufs Pferd geschwungen habe ... Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.