Jens Spahn: Ein Angeklagter mit großen Ambitionen

Mariam Lau
·Lesedauer: 2 Min.

Jens Spahn verteidigt im Bundestag sich und seine Impfstrategie mit allen Kräften. Auf dem CDU-Parteitag am Samstag geht es auch um seine Zukunft.

Jens Spahn während seiner Regierungserklärung im Deutschen Bundestag © Florian Gaertner/​photothek.de/​imago images
Jens Spahn während seiner Regierungserklärung im Deutschen Bundestag © Florian Gaertner/​photothek.de/​imago images

Es gehört zu den vielen Ironien in Jens Spahns Karriere, dass die Pandemie, der er seine aktuelle Popularität verdankt, exakt an dem Tag offiziell in Deutschland ankam, als sich der Bundesgesundheitsminister vor der Bundespresse zu einem Team mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet im Rennen um den CDU-Bundesvorsitz erklärte. Seither reißen Berichte nicht ab, Spahn versuche, aus dem Gespann auszubrechen, schrecke aber vor dem Vorwurf der Illoyalität zurück.

Am kommenden Samstag nun fällt die Entscheidung. Spahn selbst steht zwar nicht direkt zur Wahl. Aber indirekt geht es natürlich auch um ihn. Sollte Armin Laschet nicht gewählt werden, wackelt sein Platz im CDU-Präsidium. Was auch immer an den Gerüchten um Spahns Antichambrieren in eigener Sache dran ist, drei Dinge haben sie in jedem Fall bewirkt: Der früher eiserne Konnex zwischen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur ist porös geworden. Markus Söder, der bis vor Kurzem noch den Schulterschluss mit Spahn suchte, ist neuerdings voll der Kritik. Und die Wahl am kommenden Samstag ist vom Highlight des Jahres zur Zwischenetappe geworden. Das wirklich große Rennen fängt dann erst an.

Der Impfstoff ist unsere einzige Chance

An diesem Mittwoch im Bundestag tritt mit Jens Spahn nicht nur der Bundesgesundheitsminister ans Rednerpult des Parlaments. Hier spricht ein Mann mit großen Plänen, aber auch ein Angeklagter – dem obendrein der eigene Koalitionspartner SPD die Anklageschrift mit 24 zum Teil recht unangenehmen Fragen über den Kabinettstisch gereicht hatte. Der Vorwurf der Partei, die auf ihren Zusammenkünften noch gelegentlich Die Internationale singt, an den CDU-Politiker lautet: zu wenig Impfstoff für Deutschland, zu viel Rücksicht auf Europa.

Dass aus dem Triumph des in Höchstgeschwindigkeit entwickelten Impfstoffs im Moment ein politischer Skandal entstanden ist, kann man eigentlich nur mit der gigantischen Peinlichkeit erklären, die dahinter hervorlugt: Wir waren – wie die meisten unserer Nachbarn – nicht in der Lage, Corona als Gesellschaft und eben nicht nur politisch in Schach zu halten. Es gab Länder, denen es gelungen ist. Wir haben es nicht geschafft. Der Impfstoff ist unsere einzige Chance.

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