Johnson nimmt Innenministerin gegen Mobbingvorwürfe in Schutz

Patel (l.) mit Premierminister Johnson

Drei Monate nach seinem triumphalen Wahlsieg muss der britische Premierminister Boris Johnson um den Zusammenhalt seiner Regierung bangen. Johnson nahm am Mittwoch im Parlament Stellung zu Mobbingvorwürfen gegen Innenministerin Priti Patel und sicherte der 47-Jährigen dabei seine volle Unterstützung zu. Patel leiste "herausragende Arbeit", sagte der Regierungschef. Patel sieht sich wegen der Mobbingvorwürfe mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Am Montag hatte Johnson eine interne Untersuchung zu den Vorwürfen angeordnet.

Auslöser der Affäre waren brisante Äußerungen des ranghöchsten Beamten im Innenministerium, der am Samstag seinen Rücktritt erklärt und Patel schwer belastet hatte. Die Ministerin habe gegen ihn intrigiert, nachdem er Kritik an ihrem Verhalten geäußert habe, sagte Philip Rutnam. Er habe Beschwerden erhalten, wonach Patel ihre Mitarbeiter "angeschrien, beschimpft und herabgewürdigt" habe. Rutnam kündigte an, die Regierung zu verklagen, weil er zum Rücktritt gedrängt worden sei.

Patel weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Einer ihrer Berater sprach von "dunklen Kräften" in den Reihen der Verwaltung, die versuchten, die Autorität der Ministerin zu untergraben.

Die Affäre gewinnt vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Johnsons engstem Berater Dominic Cummings und dem Verwaltungsapparat innerhalb der Regierung zusätzliche Brisanz. Berichten zufolge hatte sich Cummings im Februar dafür ausgesprochen, mehrere ranghohe Beamte zu entlassen, weil sie nicht auf einer Linie mit Johnsen seien, unter ihnen auch Rutnam.

Seit Wochen gab es außerdem Gerüchte über Spannungen zwischen Cummings und Ex-Finanzminister Sajid Javid. Javid hatte im Februar seinen Rücktritt erklärt. Zur Begründung gab er an, dass Johnson ihn nur unter der Bedingung im Kabinett behalten wollte, dass er seine bisherigen Berater entlasse. Dies habe er nicht akzeptieren können.