Jorge Lorenzo über Barcelona 2009: "Rossi war auf der Bremse besser"

Sebastian Fränzschky

In der MotoGP-Saison 2009 duellierten sich die Yamaha-Werkspiloten Valentino Rossi und Jorge Lorenzo um den Titel. Der Katalonien-Grand-Prix in Barcelona blieb den Fans besonders in den Köpfen, denn beim sechsten Rennen des Jahres spitzte sich das Duell der Werks-Yamahas zu. Knapp elf Jahre später blickt Lorenzo im Gespräch mit 'BT Sport' in der Serie 'Greatest Races' auf das Kultrennen zurück.

"Wir fuhren das gleiche Motorrad und unsere Rundenzeiten waren in allen Sessions ähnlich", erinnert sich Lorenzo an das Renn-Wochenende im spanischen Montmelo. "Valentino startete sehr gut in das Jahr und sammelte viele Punkte. Doch dann stürzte er in Le Mans, während ich gewinnen konnte."

"Wir kamen beinahe punktgleich nach Montmelo. Auch Casey (Stoner) war damals im Rennen. Doch Casey machte einige Fehler und verlor nach diesem Rennen viele Punkte", berichtet Lorenzo. "Der Sieg war mit Blick auf die Meisterschaft wichtig. Leider verlor ich das Rennen und Valentino hatte das Glück, zu gewinnen. Es änderte die Entwicklung der Meisterschaft."

Rossi und Lorenzo bereits im Qualifying dominant

Im Qualifying wurden Lorenzo und Rossi durch 0,013 Sekunden voneinander getrennt. Lorenzo startete von der Pole-Position in sein Heimrennen. "Ich versuchte im Rennen, eine Lücke herauszufahren, doch das klappte nicht. Valentino gelang das auch nicht. Deshalb wurde das Rennen in der letzten Runde in der letzten Kurve entschieden", erinnert sich Lorenzo.

Valentino Rossi setzte sich mit 0,095 Sekunden Vorsprung durch

Valentino Rossi setzte sich mit 0,095 Sekunden Vorsprung durch LAT

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Der Rest ist Geschichte. Mit einem entschlossenen Manöver sicherte sich Rossi den Sieg. Die Crew des Italieners feierte den Sieg wie einen WM-Titel, während Lorenzo nur der zweite Platz blieb. "Ein Teil von mir erwartete das Manöver nicht, ein anderer schon. Ich war in dem Moment ein bisschen zu dickköpfig, um die Tür richtig zu schließen", gesteht Lorenzo.

"Ich war verängstigt, die Tür zuzumachen und von meiner normalen Linie abzuweichen, die ich das komplette Rennen über fuhr. Deshalb wusste ich nicht, was zu tun ist. Er zog seinen Nutzen aus der Situation", bemerkt Lorenzo.

"Man muss sich nur zwei Jahre zurückerinnern. 2007 ging er gegen Casey Stoner genau so vor. Deshalb wusste er, dass er dieses Manöver hinbekommt. Das machte er und ich verlor den Sieg", kommentiert Lorenzo, der damals seine zweite MotoGP-Saison fuhr.

Lorenzo fehlte die Erfahrung, Rossi profitierte

"Ich war damals 22 Jahre alt. Ich hatte nicht die Erfahrung, die ich jetzt habe. Valentino war 30 Jahre alt und hatte sehr viel Erfahrung. Er war auf der Bremse immer besser als ich. Er bremste unter normalen Umständen später als ich", analysiert Lorenzo, der erst einige Jahre später erkannte, wie er in den Bremszonen stärker werden kann.

"Mit der Ducati erfuhr ich, wie ich sehr spät bremsen kann. Doch damals mit der Yamaha bremste er später als ich. Er profitierte also davon. Ich fuhr höhere Kurvengeschwindigkeiten. Was wäre passiert, wenn ich die Kurve ein paar Meter mehr innen angefahren wäre? Das werden wir nie herausfinden, doch ich hätte das Überholmanöver verhindern und somit gewinnen können", so Lorenzo.

Mit Bildmaterial von LAT.