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JPMorgan zufolge wird Banker-Suche in Deutschland einfacher

(Bloomberg) -- Der “War for Talent” in der deutschen Bankenbranche, also der Wettstreit um die beste Köpfe, schwächt sich etwas ab. Das beobachtet Stefan Povaly, Landeschef von JPMorgan Chase & Co. Für die Wachstumsambitionen seiner Bank kann das von Vorteil sein.

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“Es ist etwas einfacher geworden, die richtigen Leute zu finden. Das liegt daran, dass die Zahl der Optionen für potenzielle Bewerber abgenommen hat”, sagte Povaly in einem Interview mit Bloomberg.

Viele Banken und vor allem auch Fintechs hatten zuletzt Stellen gestrichen. Damit lässt sich womöglich auch erklären, dass die Zahl der ausgeschriebenen Jobs in der deutschen Bankenbranche im vierten Quartal nicht mehr ganz so stark gewachsen ist wie im dritten Quartal. Das zeigen aktuelle Daten des Berliner Personalmarktspezialisten Index Gruppe.

“Im aktuellen Umfeld gibt es möglicherweise einige Top-Banker und starke Nachwuchstalente, die wir für uns gewinnen können”, sagte Povaly. JPMorgan beschäftigt aktuell rund 750 Leute in Deutschland. Zugleich gibt es aktuell mehr als 60 offene Stellen.

Zwar nimmt in der deutschen Bankenbranche die Anzahl der Arbeitsplätze seit Jahren kontinuierlich ab, doch in bestimmten Bereichen wie etwa der IT suchen Institute händeringend nach Leuten. Zu den Bank-Chefs, die vor einem Fachkräftemangel gewarnt haben, zählen auch jene von KfW und der Landesbank Baden-Württemberg.

Povaly zufolge beziehen sich die Wachstumsambitionen seines Hauses in Deutschland unter anderem auf das Commercial Banking sowie das Private Banking und den Payment-Bereich in Frankfurt.

Retailbanking-Pläne

Angesprochen auf Gerüchte, die Bank bereite sich von Berlin aus auch auf einen Einstieg in das deutsche Retailbanking vor, meinte Povaly: „Wir haben in Berlin eine kleine Zahl Leute eingestellt, die prüfen, was wir dort machen könnten. Es gibt jedoch keinen vereinbarten Fahrplan für die Einführung von Retailbanking-Produkten im Land in naher Zukunft.”

Im Jahr 2021 hatte die amerikanische Bank im Retailbanking einen Vorstoß in Großbritannien gewagt. “Das komplette Angebotspaket dort ist noch nicht geschnürt, daran arbeiten wir”, erklärte Povaly. Ein Start in anderen Teilen Europas könne folgen, Deutschland stehe dabei auf der Liste.

Deutlich äußerte er sich zu den Plänen der Bank in Österreich. Dort wolle JPMorgan vor allem das Geschäft mit größeren und mittelständischen Unternehmen ausbauen. Einstellungen vor Ort seien aber nicht geplant.

“Wir glauben, dass wir das von Frankfurt aus zurzeit sehr gut abdecken können”, sagte Povaly. Ähnlich wie in Deutschland seien mittelständische Unternehmen in Österreich nicht an einem Standort konzentriert, sondern im ganzen Land verteilt, besonders in den westlichen Bundesländern.

Wieder mehr Geschäfte verspricht er sich auch aus Fusionen und Übernahmen. “Wir glauben, dass M&A in Deutschland in diesem Jahr wieder Fahrt aufnehmen wird”, sagte Povaly. Nach Zurückhaltung in 2022 würden viele Unternehmen nun sehen, dass die wirtschaftliche Lage doch nicht so schlecht sei. “Wir haben eine gut gefüllte M&A-Pipeline.”

Grundsätzlich sieht Povaly strategische Käufer derzeit im Vorteil, da sie höhere Preise bieten könnten. Finanzierung für Private-Equity-Käufer seien teilweise schwieriger geworden, sagte er.

(Neu: M&A-Finanzierungen im letzten Absatz)

©2023 Bloomberg L.P.