Junge im Osten und Alte im Westen oft rechtsextrem

Studie: Ausländerfeindlichkeit ist oft "Einstiegsdroge"

Ausländerfeindliche Einstellungen sind einer Studie zufolge vor allem bei jüngeren Ostdeutschen und alten Westdeutschen verbreitet. In einer Untersuchung fanden Forscher der Uni Leipzig heraus, dass im Westen die Zustimmung zu ausländerfeindlicher Gesinnung bei den Jüngeren am niedrigsten und den Ältesten am höchsten ist. Im Osten dagegen stimmten die ab 1981 Geborenen in etwa dem gleichen Maße ausländerfeindlichen Einstellungen zu wie im Westen die bis 1930 Geborenen - nämlich jeweils zu über 31 Prozent.

"Unsere These, dass Ausländerfeindlichkeit die Einstiegsdroge ist, bestätigt sich deutlich", erklärte der Wissenschaftler Elmar Brähler als einer der Studien-Leiter. Seit 2002 untersucht die Arbeitsgruppe um Brähler und Oliver Decker an der Universität Leipzig die rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Im Rahmen dieser sozialpsychologischen "Mitte-Studien" werden im Zwei-Jahres-Rhythmus repräsentative Erhebungen vorgenommen. Die nun vorgestellte Publikation stellt Ergebnisse aus den vergangenen zehn Jahren dar.

Dabei bestätigte sich der Befund, dass Ausländerfeindlichkeit eine bundesweit sehr verbreitete Einstellung ist: Im Westen stimmten gut 23 Prozent der Befragten den ausländerfeindlichen Aussagen zu, im Osten waren es mit annähernd 32 Prozent deutlich mehr. Bei der Zustimmung zu antisemitischen Aussagen ergab sich genau das gegenteilige Bild: In Westdeutschland war demnach knapp jeder zehnte Befragte antisemitisch eingestellt, im Osten hingegen jeder Sechzehnte.

Bei fast zehn Prozent der vor 1950 geborenen Westdeutschen stellten die Forscher ein eindeutig rechtsextremes Weltbild fest, bei den bis 1930 Geborenen galt dies sogar für gut 16 Prozent. In Ostdeutschland dagegen waren gut zehn Prozent der seit 1971 Geborenen eindeutig rechtsextrem - wobei Männer überrepräsentiert waren.

"Das sind die Folgen einer autoritären Vergesellschaftung", erklärte Decker mit Blick auf Nazi-Diktatur und den Zusammenbruch des DDR-Regimes. "Mit dem Zusammenbruch von Gemeinschaften, die ihre Mitglieder autoritär integrieren, treten autoritäre Aggressionen hervor."

Der Studie zufolge ist die gesellschaftliche Mitte nicht davor geschützt, selbst zur Bedrohung der demokratisch verfassten Gesellschaft zu werden. Die Demokratie sei "kein auf immer stabiler Sockel". Im Gegenteil: Fahre der gesellschaftliche Aufzug für einen Großteil ihrer Mitglieder nach unten, dann verliere auch die Demokratie ihre Integrationskraft.

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