Junta in Myanmar erhebt Korruptionsvorwürfe gegen Aung San Suu Kyi

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Die Junta in Myanmar hat Korruptionsvorwürfe gegen die von ihr entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi erhoben: Suu Kyi habe illegal Gold und eine Summe von 600.000 US-Dollar angenommen, erklärte der Junta-Sprecher Zaw Min Tun am Donnerstag. Bei Protesten gegen den Putsch erschossen Sicherheitskräfte nach Angaben von Rettungsdienst-Mitarbeitern und Augenzeugen weitere neun Menschen.

Das Militär gab die Korruptionsvorwürfe gegen Suu Kyi bei einer seltenen Pressekonferenz in der Hauptstadt Naypyidaw bekannt. Die 75-Jährige habe mehr als elf Kilogramm Gold im Wert von 680.000 Dollar sowie 600.000 Dollar in bar erhalten, sagte der Sprecher. Die Anti-Korruptionskommission sei eingeschaltet. Anfang vergangener Woche hatte die Junta Suu Kyi bereits wegen "Anstiftung zum Aufruhr" angeklagt.

Kurz nach dem Putsch am 1. Februar hatten die Militärs der 75-jährigen Friedensnobelpreisträgerin zunächst ungewöhnliche Verstöße gegen Importbestimmungen in Zusammenhang mit Walkie-Talkies vorgeworfen, die nach ihrer Festnahme in ihrem Haus gefunden worden waren.

Suu Kyi wird Berichten zufolge unter Hausarrest in Naypyidaw festgehalten. Sie stand bereits unter Myanmars früherer Militärregierung 15 Jahre unter Hausarrest.

Seit der Machtübernahme des Militärs in dem südostasiatischen Land sind hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um die Rückkehr zur Demokratie und die Freilassung von Suu Kyi und weiteren Festgenommenen zu fordern. Die Generäle lassen die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Demonstranten vorgehen. Bisher wurden mehr als 60 Menschen getötet. Mehr als 2000 wurden festgenommen.

Die Soldaten setzen dabei offenbar gezielt tödliche Gewalt ein. Mindestens sieben der neun Toten am Donnerstag starben Augenzeugen zufolge durch Kopfschüsse. Zwei weitere Menschen erlagen am Donnerstag ihren Verletzungen aus den vergangenen Tagen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf der Armee in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht den vorsätzlichen und koordinierten Einsatz von Kriegswaffen gegen friedliche Demonstranten vor. Viele der dokumentierten Tötungen kämen außergerichtlichen Hinrichtungen gleich. Grundlage ist die Auswertung von mehr als 50 Videos durch das Crisis Evidence Lab von Amnesty.

Sechs Menschen wurden am Donnerstag in der Gemeinde Myaing im Zentrum des Landes getötet, einer in der Stadt Bago nordöstlich von Yangon sowie einer in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes.

In der Handelsmetropole Yangon starb der 25-jährige Chit Min Thu nach einem Schuss in den Kopf. "Ich habe erst kürzlich erfahren, dass seine Frau im zweiten Monat schwanger ist", sagte die Mutter des Mannes zu AFP. "Sie sind so grausam mit meinem Sohn umgegangen", sagte sie.

In der Nacht zum Donnerstag durchsuchten Sicherheitskräfte erneut das Stadtviertel Sanchaung in Yangon. Im Stadtteil Nord-Okkalapa nahmen die Behörden am Mittwoch nach Angaben der Hilfsvereinigung für politische Gefangene 300 Menschen fest.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Gewalt am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Selbst China, traditionell ein Verbündeter Myanmars, rief zu "Deeskalation" und Dialog auf. Zahlreiche Regierungen haben Sanktionen gegen die Militärführung erlassen. Zuletzt verhängten die USA Maßnahmen gegen zwei erwachsene Kinder von Junta-General Min Aung Hlaing.

fwe/ju