Justin Trudeau verbessert Frau: Korrekt oder herablassend?

Justin Trudeau setzt sich für Gleichberechtigung ein (Bild: AP)

Der kanadische Premierminister steht für Gleichberechtigung und ist ein Fan der Änderung der Nationalhymne, deren Text fortan geschlechtsneutral formuliert ist. Dass Justin Trudeau kürzlich eine Frau wegen eines angeblich frauenfeindlichen Wortes korrigierte, hat ihm aber auch Kritik eingebracht.

730.000 User haben sich bei Twitter bereits das Video angesehen, in dem der kanadische Premierminister eine junge Frau korrigiert. Lässig, nur im Hemd und ohne Jackett, sitzt Justin Trudeau während der Bürgersprechstunde auf einem Stuhl und hört sich ihr Anliegen an. Die Frau ist Mitglied einer christlichen Organisation und fragt den Premier nach der Regierungspolitik in Bezug auf religiöse Stiftungen.

Wörtlich sagt sie: “Maternal love is the love that is going to change the future of mankind“, was so viel bedeutet wie: “Mütterliche Liebe ist die Art Liebe, die die Zukunft der Menschheit ändern wird.” Das Wort “mankind“ ist das im Englischen übliche Wort für Menschheit. Da es aber das Wort “man“ wie “Mann“ enthält, ist es nicht geschlechtsneutral und könnte als diskriminierend angesehen werden.

Trudeau unterbricht die Frau also und wendet ein: “Wir sprechen hier lieber von peoplekind, nicht unbedingt von mankind. Das ist integrativer.“ “People” im Englischen bedeutet nämlich “Menschen”. Das Publikum applaudiert ihm daraufhin und auch die Fragestellerin dankt ihm für den Einwand. Vor Ort waren die Leute also durchaus angetan von dem Einwurf ihres Regierungs-Chefs. Bei Twitter sah das aber anders aus.

Während sich manche Nutzer über den merkwürdigen Neologismus mokieren und anmerken, es müsste wenn überhaupt “humankind“ heißen und andere fragen, ob das Ganze ein Witz sei, finden wieder andere den Einwand selbst diskriminierend. Ein Nutzer fragt: “War das gerade Mansplaining?“

Ein Wort, das für Männer benutzt wird, die weibliche Gesprächspartner von oben herab behandeln und sich wohl auf den Fakt bezieht, dass Trudeau die Frau vor versammeltem Publikum unterbrochen und belehrt hat. Gut gemeint kann eben auch falsch ankommen.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen