Justiz ermittelt gegen Fillon nun auch wegen geschenkter Maßanzüge

Die französische Justiz ermittelt jetzt auch wegen geschenkter Maßanzüge gegen den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon. Es geht um den Verdacht der Bestechlichkeit, wie aus Justizkreisen verlautete

Die französische Justiz ermittelt jetzt auch wegen geschenkter Maßanzüge gegen den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon. Es besteht der Verdacht der Bestechlichkeit, wie am Donnerstagabend aus Justizkreisen verlautete. Die Finanzstaatsanwaltschaft weitete die bereits laufenden Ermittlungen gegen Fillon wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre entsprechend aus. Laut einer neuen Umfrage sind inzwischen drei Viertel der Franzosen für einen Rückzug des 63-Jährigen.

Die Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" hatte enthüllt, dass ein "spendabler Freund" für Fillon im Februar zwei maßgeschneiderte Anzüge eines Pariser Nobelschneiders im Wert von 13.000 Euro bezahlt hatte. Der Präsidentschaftskandidat räumte das Geschenk ein, bezeichnete die Angelegenheit aber als Privatsache: "Ein Freund hat mir die Anzüge im Februar geschenkt. Na und?"

Der Name des Gönners ist bislang nicht bekannt. Die französische Justiz will ihn nun ermitteln und prüfen, wie das Geschenk für Fillon zustande kam - und ob es wirklich einen rein privaten Hintergrund hatte.

Laut "Le Journal du Dimanche" wurden in den vergangenen Jahren zudem für Fillon Rechnungen bei dem Schneider über weitere 35.500 Euro in bar beglichen. Fillons Umfeld hat das entschieden zurückgewiesen.

Die französische Justiz hatte am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen Fillon unter anderem wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Staatsgeldern eingeleitet. Als Abgeordneter hatte Fillon seine Ehefrau Penelope jahrelang aus der Parlamentskasse als Mitarbeiterin bezahlt. Es besteht der Verdacht der Scheinbeschäftigung. Gleiches gilt für gutbezahlte Mitarbeiterjobs, die Fillon zwei seiner Kinder in seiner Zeit als Senator beschaffte.

Fillon hat die Scheinbeschäftigungs-Vorwürfe stets zurückgewiesen und spricht von einer politischen Schmutzkampagne. An seiner Präsidentschaftskandidatur hält er trotz des Ermittlungsverfahrens fest.

In Umfragen ist der lange als Präsidentschaftsfavorit gehandelte Ex-Premierminister aber abgestürzt. Fünf Wochen vor der ersten Wahlrunde liegt er klar hinter dem parteilosen Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen und würde damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen.

Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Odoxa sind inzwischen 75 Prozent der Franzosen der Meinung, Fillon solle auf seine Kandidatur verzichten. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als bei einer Erhebung Anfang März. In der Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders France Info geben fast acht von zehn Franzosen an, sie hätten ein schlechtes Bild von Fillon. Knapp neun von zehn Franzosen halten ihn für unehrlich.

Die Franzosen wählen am 23. April und 7. Mai in zwei Wahlrunden ihren nächsten Präsidenten. Der unpopuläre Staatschef François Hollande bewirbt sich nicht für eine zweite Amtszeit. Am kommenden Montag treten die wichtigsten Kandidaten in einer ersten TV-Debatte gegeneinander an.

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