Justiz und Kartellamt ermitteln gegen Stahlkartell

Bahn soll jahrelang zu viel für Schienen gezahlt haben

Ein Stahlkartell mit dem Namen "Schienenfreunde" soll durch Preisabsprachen einen dreistelligen Millionenschaden für die Deutsche Bahn angerichtet haben. Justiz und Kartellamt leiteten Ermittlungen gegen 30 Beschuldigte in zehn Firmen ein, wie die Bochumer Staatsanwaltschaft einen Zeitungsbericht bestätigte. Die Bahn zahlte demnach offenbar überhöhte Preise beim Stahlkauf für Schienen.

Im Zuge der Ermittlungen habe es bereits Durchsuchungen gegeben, sagte ein Sprecher der Bochumer Strafverfolgungsbehörde. Einzelheiten nannte er jedoch nicht. "Wir stehen noch am Beginn der Ermittlungen." Dem Zeitungsbericht der WAZ-Gruppe zufolge soll das Stahlkartell mindestens zehn Jahre lang die Preise für die Bahnschienen in Deutschland bestimmt haben.

Die Treffen fanden den Berichten zufolge in der Duisburger Pizzeria "Da Bruno" statt. Diese wurde im August 2007 bundesweit bekannt, als vor dem Lokal sechs Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta erschossen wurden. Bei den Treffen verwendeten die Beteiligten demnach Tarnnamen, unter anderem "Hannibal Lecter", "das Brüderchen" und "die Domina".

Durch die unerlaubten Preisabsprachen sei vor allem die Deutsche Bahn geschädigt worden: Jährlich habe das Unternehmen bis zu 300.000 Tonnen Stahl zu Kartellpreisen gekauft. Das Kartell existierte demnach bis 2008 und flog erst vor wenigen Wochen auf.

Allein für das Jahr 2006 lasse sich ein Schaden von bis zu 100 Millionen Euro vermuten, berichten die Zeitungen. Insgesamt belaufe sich der Schaden wohl auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Den Berichten zufolge droht nun eines der größten Kartellverfahren der vergangenen Jahrzehnte. Die Deutsche Bahn kündigte eine Überprüfung von Schadenersatzansprüchen gegen die betroffenen Schienenhersteller an.

Zu den Namen der betroffenen Firmen wollte sich Staatsanwaltschaft nicht äußern. Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine hatte aber bereits im Mai mitgeteilt, dass bei seinen Duisburger Firmen Voestalpine Klöckner Bahntechnik und dem Schienenproduzenten TSTG Schienen Technik Durchsuchungen stattgefunden hätten. "Die Voestalpine AG nimmt die Vorwürfe ernst und wird offen und uneingeschränkt mit den Kartellbehörden zusammenarbeiten", erklärte der Konzern. Neben Voestalpine ist den Zeitungen der WAZ-Gruppe zufolge die Thyssen-Krupp-Tochter GFT Gleistechnik in Duisburg von dem Kartellverfahren betroffen.

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