"JWD": Was kann das neue Magazin von Joko Winterscheidt?

Hannah Klaiber
Freie Journalistin
Die erste Ausgabe von Joko Winterscheidts “JWD” ist erschienen. Was steckt drin?

„Bitte nicht noch ein Promi-Magazin!“, mag sich manch einer gedacht haben, als bekannt wurde, dass Scherzkeks Joko Winterscheidt nun sein eigenes Print-Ding dreht. Irgendwo zwischen „Vice“ und „GQ“ erzählt das Männermagazin „JWD“ von Sexpuppen, kiffenden Nonnen und dem Lifestyle für Rockstars.

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Das Cover

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: „JWD“ steht genauso für „Joko Winterscheidts Druckerzeugnis“ wie für die Berliner Redewendung „Janz weit draußen“. Die N°1 wird natürlich von Joko selbst geziert, der mit Kippe im Mundwinkel im teuren Jackett skeptisch zum Leser blickt und eine brennende Ausgabe seines Magazins in der Hand hält. „Würden Sie diesem Mann ein Magazin abkaufen?“ lautet der Aufmacher. Chefredakteur ist übrigens nicht Joko, sondern Michalis Pantelouris. Joko ist nicht der erste Prominente, der die Strahlkraft des eigenen Namens für ein Magazin nutzt. Das tun auch schon Barbara Schöneberger und Dr. Eckart von Hirschhausen – beide ebenfalls für das Haus Gruner + Jahr.

Galerie: Die Style-Evolution von Joko und Klaas

Die Idee

„Bei JWD glauben wir, dass man Dinge erleben muss, um davon erzählen zu können. Angucken allein reicht nicht“, schreibt Joko im Editorial. Das Alleinstellungsmerkmal des Reportagen-Magazins soll also die Erfahrung am eigenen Leib sein: Die Journalisten halten sich nicht im Hintergrund, sondern werden zum Mittelpunkt des Geschehens, in dem sie sich zum Tinder-Date im Nacktrestaurant verabreden, mit kalifornischen Nonnen einen Joint rauchen oder mit einem ersteigerten Koffer in die Haut und Klamotten einer Fremden schlüpfen. Ein einziger großer Selbsttest also, der durch Mode- und Beauty-Trends für Herren, Internet-Hypes und großformatige Bilderstrecken aufgelockert wird.

Das Beste von Welt: Gesichter und (vor allem) Produkte

Dass der Detox-Drink mit Aktivkohle leider geil und das faltbare Kanu für 1300 Euro jetzt hip ist, erfährt der Leser auf den ersten 38 Seiten, die in der Kategorie „Das Beste von Welt“ zusammengefasst werden. Oder dass Gucci im Kleiderschrank von Rapper Abdi eine Rolle spielt. Dazwischen Werbeanzeigen von BMW, Glashütte oder Yves Saint Laurent, die keinen Zweifel an der Zielgruppe lassen: junge, trendige Gutverdiener mit einem Hang zur Abenteuerlust.

Das Magazin ist ab sofort erhältlich und kostet 4,40 Euro. (Bild: Gruner + Jahr)

Per Anhalter durch die Galaxis: die Reportagen

Dass die „JWD“ gerne mit vermeintlichen Tabu-Themen polarisieren möchte, wird schon beim Blick ins Inhaltsverzeichnis klar: „Nackt zum ersten Date“, „Wenn Männer Puppen lieben“ oder „High Nonn – In Kalifornien ist Kiffen legal“ heißt es da. An der ersten Reportage „Die Poppen-Spieler“ hat auch tatsächlich Joko mitgeschrieben.

Weil ihm angucken zwar nicht gereicht hat, er es aber auch nicht erleben wollte, tatsächlich Sex mit einer Puppe zu haben, wird die Story aus der Perspektive der Gummipuppe Babsi aus dem ersten deutschen Puppenpuff in Dortmund erzählt: „Ich bin eine Sexpuppe. Besser: eine Liebespuppe. Denn ich werde geliebt. Das hier ist meine Geschichte.“ Auf fünf Seiten erfahren die Leser alles über das Material, aus dem Babsi besteht, den wachstumsstarken Markt und was die Zukunft bringen wird (Sexroboter).

Kiffende Nonnen? Leider nichts Neues!

Nach dem Sex folgen dann – wie soll es auch anders sein? – die Drogen. „Neben mir rauchen zwei Typen Gras in einer Glaspfeife“, schreibt Autor Frederik Seeler in seiner Reportage – „ein Roadtrip durchs Weed-Paradies“. Und weiter: „Sie bieten mir einen Zug an, aber ich glaube, ich hatte genug.“ Hui, denkt sich jetzt vielleicht der überraschte Leser: Der kifft mit, das ist ja krass. Natürlich geht es nicht nur um den Cannabis-Rausch des Journalisten. Es geht um das Millionengeschäft, die Gras-Touristen und kiffende Nonnen, die Cannabis im Internet verkaufen. So richtig neu ist leider auch dieses Thema nicht: Über die „Sisters of Valley“ hatte die „Vice“ schon 2016 berichtet.

Hintergrund: Joko Winterscheidt will mit “JWD” in Rente gehen

Es folgen Erlebnisberichte von einem Tinder-Date im Pariser Nackt-Restaurant „O’Naturel“ und aus der Wüste Omans, wo Forscher ein Leben auf dem Mars simulieren. Es geht um Livestreamer in Asien und um Autos: Joko trifft den „lässigsten Porsche-Sammler der Welt“. Die Reportagen sind allesamt gut recherchiert, professionell geschrieben, doch wirklich neu ist hier nichts. Bei mehr oder weniger bekannten Themen einfach nur die Perspektive zu ändern, reicht eben leider nicht aus.

Lifestyle für Rockstars: Mode, Uhren und Beauty

Der letzte Teil des 164 Seiten umfassenden Magazins widmet sich den klassischen Lifestyle-Themen für Herren: In einer großen Bildstrecke zeigt die Indie-Band Matija die neuesten Fashion-Trends, dann erfahren die Männer, was sie sich ab sofort in die Haare schmieren sollen oder welche Düfte die nötige Brise Rock’n’Roll versprühen.

Fazit: Nicht schlecht, aber eben auch nicht neu

Wem die „Vice“ zu krass, die „GQ“ zu lasch und die „Neon“ zu jung ist, findet mit „JWD“ vielleicht das passende Herren-Magazin. Die Autoren bemühen sich sehr um polarisierende Lässigkeit, was in der Masse schnell etwas nervig werden kann. An gewohntem Joko-„Hau drauf“-Humor fehlt es genauso wie an wirklich innovativen Themen. Von Joko selbst ist zwar sehr viel zu sehen, aber wenig zu spüren. Mit seinem Gesicht wird die „JWD“ es vielleicht schaffen, aus dem großen Angebot der Magazine vorerst herauszustechen. Ob sie sich tatsächlich halten kann, ist fraglich. Wenn es schwierig wird, hat Joko allerdings schon den perfekten SOS-Plan: „Dann rufe ich Matthias Schweighöfer an“, so Joko. „Dann soll er sich fürs Cover ausziehen.“

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