Köln vor Aus - Fans haben "Schnauze voll"

Nach der dritten Pleite in der Europa League muss Köln-Coach Stöger seine Truppe trösten

Nach dem neuerlichen Tiefschlag versammelte Peter Stöger seine Spieler gleich am Mittelkreis. Der Trainer redete auf sie ein und beschwor einmal mehr den Mannschaftgeist. Auch Großteile der Fans des 1. FC Köln, die die fast 1800 Kilometer vom Rheinland in die weißrussische Provinz nach Borissow auf sich genommen hatten, spendeten dem Team Applaus.

Andere pfiffen und ließen ihrem Frust freien Lauf. "Wir haben die Schnauze voll", skandierten einige von ihnen - es war eine Szene, die sich in den vergangenen Wochen immer wieder abgespielt hat.

Wieder hatte der FC ordentlich gespielt - und wieder verlor er: Das 0:1 (0:0) beim weißrussischen Meister BATE Borissow bedeutete nicht nur die dritte Niederlage in der Vorrunde der UEFA Europa League und damit fast schon das sichere Aus, die Kölner verpassten es auch, sich Selbstvertrauen für das so wichtige und richtungweisende Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen am Sonntag (ab 13.30 Uhr im Liveticker auf SPORT1) zu holen. (Der Liveticker zum Nachlesen)

Offensivmotor stottert trotz Spezialtraining

"Es ist bitter. Wir haben den ein oder anderen Fehler zu viel gemacht. Die Jungs haben es versucht. Wir waren aber nicht klar genug in unseren Aktionen nach vorne. Wir haben Phasen, in denen jeder etwas reparieren möchte. Da verliert man manchmal die Organisation. Es ist keine Frage dass wir enttäuscht sind. Den Vorwurf, dass wir nicht gekämpft haben, verstehe ich nicht."


Dabei hatte Stöger im Training zu außergewöhnlichen Maßnahmen gegriffen, um die Blockade seiner Profis zu lösen. Dort ließ der Österreicher seine Jungs mit Bällen in den verschiedensten Formen arbeiten. Einer war dreieckig, der andere erinnerte an eine Bohne.

Die unförmigen Bälle sollten die Handlungsschnelligkeit und Konzentration der Spieler fördern, sie sollten dabei helfen, das Unwahrscheinliche zu erwarten.

Bate-Keeper mit Super-Parade gegen Zoller

Die Maßnahme schien zunächst aufzugehen. Der FC begann wie zuletzt ordentlich und hatte das Spiel gegen biedere Weißrussen im Griff. Auch der kurzfristige Ausfall von Kapitän Matthias Lehmann, der von Salih Özcan ersetzt wurde, fiel nicht weiter ins Gewicht. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan)

BATE zog sich weit zurück und stellte den FC mit einer dichten Defensive vor eine schwierige Aufgabe. Um den Abwehrriegel der Gastgeber zu knacken, fehlte es den Kölnern oft an Tempo und Ideen.

Erst eine starke Einzelleistung von Pawel Olkowski brachte Gefahr, Simon Zoller scheiterte aber nach einer Flanke des Polen per Kopf (32.) an Denis Scherbitsky.

Weißrussen stellen Spielverlauf auf den Kopf

Borissow, das zu Hause im Oktober 2012 bereits in der Champions League den FC Bayern geschlagen hatte, stellte den Spielverlauf mit dem Führungstreffer auf den Kopf.

Die Situation schien bereits bereinigt, doch Rios profitierte von einem kollektiven Aussetzer der FC-Defensive und schloss zum 1:0 ab.


"Wir haben Phasen, in denen jeder etwas reparieren möchte. Da verliert man manchmal die Organisation", sagte Stöger. Der Österreicher hatte nach dem Rückstand reagiert. Er brachte Leonardo Bittencourt und Sehrou Guirassy, um die Offensive zu stärken.

Insbesondere Flügelspieler Bittencourt sorgte auch für Gefahr - im Zentrum fehlte aber oft ein Abnehmer. Einer wie Jhon Cordoba, der jedoch weiterhin verletzt ausfällt. Oder Claudio Pizarro, der in der Europa League allerdings nicht spielberechtigt ist. (SERVICE: Tabelle)

So rannte der FC zwar an, es fehlte aber weiterhin eine zündende Idee. Weil aber auch Borissow die zahlreichen Kontermöglichkeiten in den nun immer größer werdenden Räumen nicht nutzte, drängte Köln bis zum Schluss auf den Treffer.

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