Köln-Nippes: Neusser Straße bekommt zweites Frühjahrs-Straßenfest

Das neue Fest wird von einigen Einzelhändlern aus Nippes organisiert.

Seit einigen Tagen ist es offiziell verkündet: Die Neusser Straße bekommt ihr zweites Frühjahrs-Straßenfest. Es hat am Wochenende des 6. und 7. Mai Premiere – fünf Wochen vor dem traditionellen, seit 1999 stattfindenden Bürgerfest der Nippeser Bürgerwehr am 10. und 11. Juni. Inzwischen hängen im Stadtteil die ersten Plakate aus. Demnach wird von der Kempener Straße bis zur Schill-/Blücherstraße gefeiert; neben einer Live-Musikbühne gibt es Verkaufsstände entlang der Meile, auch Aktionen für Kinder sind geplant.

Die letzten Formalitäten werden derzeit geklärt

Initiator ist eine „Werbe- und Interessengemeinschaft des Einzelhandels in Nippes“ (WIG), die sich 2016 gegründet hat. Bei der Werbepraxis von der Gathen, die das Fest federführend organisiert, bereitet man derzeit das genaue Programm vor. „Wir sind dabei, die letzten Formalitäten für die Genehmigung zu klären“, erläutert auch Dirk Schmaul vom Ordnungsamt.

„Die Idee zu einem neuen Fest gab es schon länger, da uns die Gestaltung des Bürgerwehr-Festes 2016 nicht zusagte“, erläutert Ali Özer von der Boutique „Limon“ an der Neusser Straße, Vorstand der WIG, der vor einigen Monaten den Antrag auf Genehmigung bei der Stadt eingereicht hatte. „Deshalb haben wir uns mit einigen Händlern zusammengesetzt und beraten. Wir wollten ein interessanter gestaltetes Fest, von dem auch der Ort Nippes profitiert, und die Meile attraktiv machen.“

„Appelsinefunke“ wegen des neuen Festes etwas irritiert

Um etwas zeitlichen Abstand zum neuen Fest zu schaffen, hatte die Nippeser Bürgerwehr ihr eigenes Fest von Ende Mai auf Mitte Juni verlegt. „Wir haben ungefähr nach Karneval entschieden, auf einen Ausweichtermin zu gehen“, so Bürgerwehr-Geschäftsführer Anton Gerhard Düren. Wegen das neuen Festes sind die „Appelsinefunke“ etwas irritiert. „Wir können natürlich niemandem verbieten, ein weiteres Straßenfest zu veranstalten. Aber dass der Veranstalter in den Mai hineingeht, wo wir zunächst unser eigenes Fest machen wollten, ist schon etwas unglücklich.“

Mit der Werbepraxis von der Gathen hatte die Bürgerwehr noch bis 2015 zusammengearbeitet, um ihr Fest zu gestalten – seit 2016 sind jedoch neue Partner im Boot; erklärtes Ziel war damals, dem Straßenfest mehr lokalen Bezug zu verleihen. Wie der frühere Partner, Werbepraxis-Geschäftsführer Wilhelm von der Gathen erläutert, „waren die Geschäftsleute der WIG auf uns zugekommen, weil sie mit ihrer Beteiligung am Straßenfest 2016 nicht glücklich waren. Sie haben uns angesprochen, weil sie uns noch aus den Vorjahren kannten und wussten, dass man mit uns sehr gut arbeiten kann.“

Für viele Menschen im Stadtteil kommt das neue Fest durchaus überraschend – denn bisher war die Einzelhändler-Initiative WIG noch nicht prominent in Erscheinung getreten. Wie jedoch Schmaul vom Ordnungsamt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erläutert, stehe es nicht nur eingetragenen Vereinen oder Firmen, sondern auch lose organisierten Gruppen frei, ein Straßenfest zu beantragen.

Pläne für das neue Fest stoßen auf Kritik

Bei einigen Händlern stoßen die Pläne fürs Fest unterdessen auf Kritik. Sie hinterfragen zudem die Tätigkeit der Gewerbe-Initiative und die Genehmigung des Festes durch die Stadt. Beim Antrag für die neue Straßenparty hatte die WIG eine Liste der Gründungsmitglieder, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, sowie eine Unterstützer-Stempelliste mit 116 Geschäften beim Ordnungsamt eingereicht.

Einer der Händler, der als Gründungsmitglied aufgeführt ist, weiß nach eigenem Bekunden jedoch gar nichts von einer Mitgliedschaft bei der WIG. Der Vorstand habe ihm 2016 eine Liste vorbeigebracht, „auf der ich mit meiner Unterschrift lediglich ein Interesse an einer Mitgliedschaft bekunden konnte. Letztendlich kam eine Mitgliedschaft aber für mich nicht in Frage“, erläutert der Optiker.

Persönliche Kontaktaufnahme soll weiterhelfen

Seitdem habe es keinen Kontakt – weder persönlich, telefonisch oder schriftlich – mit ihm persönlich oder dem Verein gegeben. Das weist Özer zurück: „Ich war noch mal persönlich da und habe mit ihm gesprochen. In den nächsten Tagen gehe ich noch mal auf ihn zu.“

Auf der Unterstützer-Liste mit den Stempeln bestätigten die Läden mit ihrem Eintrag „den Erhalt von Informations-Material der WIG“ und unterstützten „deren Bemühungen für ein Straßenfest auf der Neusser Straße“, wie es auf jeder der Seiten steht. Jedoch sind einige wenige Adressen auf jener Liste nicht mehr existent – wie die Ende 2015 geschlossene Gaststätte „Rosenstock“, die Cafés Runkel und Celli, die Bäckerei Nick oder das Fischhaus Kerschkamp – oder die Geschäfte haben jetzt eine neue Adresse.

Stadt hat Ermessensspielraum bei Genehmigung von Festen

Buchhändlerin Dorothee Junck wundert sich zudem, wie sie mit ihrem Buchladen Neusser Straße auf die Stempel-Unterstützerliste gekommen ist – da sie überhaupt nichts von einem zweiten großen Fest auf der Neusser Straße hält.

Der Inhaber eines Konditorei-Cafés, mit einer veralteten Stempel-Adresse auf der Liste vertreten, distanziert sich ebenfalls vehement von einem zweiten Fest – und erwägt sogar, juristisch tätig zu werden, da er sich getäuscht sieht. Özer weist die Vorwürfe hingegen zurück: „Ich bin 2016 persönlich durch Nippes gegangen, um die Unterschriften für die Mitgliedschafts-Interessenliste zu sammeln“, erläutert er. Die Liste mit den Stempeln könne auch etwas älter sein – von wann genau, darauf wollte er sich auf Anfrage nicht festlegen.

Bei der Genehmigung von Straßenfesten hat die Stadt Ermessensspielraum. Laut Ordnungsamt ist die Größe des Unterstützer-Kreises für das Fest – hier auch durch die Stempelliste dokumentiert – eines der Kriterien abzuwägen, ob eine Genehmigung mitsamt Straßensperrung vertretbar ist. Fielen einige Unterzeichner nachträglich heraus, bedeute das nicht, dass die Genehmigung hinfällig sei, hieß es jedoch weiter....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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