Kölner Bahnknoten: S-Bahn-Ausbau kommt einen großen Schritt voran

Am Montag wurden verbindliche Verträge zum Ausbau der Kölner S-Bahn unterzeichnet.

Geld ausgeben ist gar nicht so einfach. Selbst wenn es reichlich vorhanden ist. Kaum ist die Tinte unter den Verträgen getrocknet, mit denen das Land NRW rund 100 Millionen Euro an Planungsmitteln für den Kölner S-Bahnknoten freigibt, warnt Ronald Pofalla, Infrastruktur-Vorstand der DB, dass nicht nur das Bauen auf der Schiene deutlich schneller gehen müsse. Das gelte auch für die komplizierte Frage, wer denn für was bezahlt.

Die Grundregel ist: der Bund ist für den Fernverkehr, das Land für den Regionalverkehr zuständig. Bei einem Bahnknoten wie Köln helfe schließlich jedes zusätzliche Gleis und jede Weiche am Ende allen. „Wir werden Anfang 2020 allein in NRW zwischen 1,7 und 1,8 Milliarden Euro verbauen“, so Pofalla bei der Bahnknoten-Konferenz. Sein Credo: pragmatisch verhandeln, schnell einigen.

Genau das werden alle Beteiligten in Köln bei aller Begeisterung darüber, dass der S-Bahnausbau in Gang kommt, schon bald unter Beweis stellen müssen. Weil in den knapp 1,7 Milliarden Euro, die beide Bauprojekte verschlingen, die Kosten für die Digitalisierung noch nicht enthalten sind. Die sei aber „zwingende Voraussetzung dieser Vereinbarung“, so Pofalla. „Ohne Digitalisierung werden wir die Verkehrsprobleme im Kölner Knoten nicht.“

Digitaler Ausbau geplant

Beim Nahverkehr Rheinland (NVR), unter dessen Regie die Großprojekte abgewickelt werden, vernimmt man das mit großer Erleichterung. „Wir werden jetzt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben“, kündigt NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober an. Die Kosten dafür werde man sich am Ende schon irgendwie aufteilen.

Nach Berechnungen der DB bringt die Digitalisierung bei S-Bahn-Systemen je nach technischem Level einen Kapazitätsgewinn von bis zu einen Drittel, „ohne dass wir auch nur ein einziges Gleis neu gebaut haben“, sagt Pofalla. Um die Auslastung auf dem gesamten Streckennetz der Bahn nur durch konventionellen Ausbau um ein Drittel zu erhöhen, wäre eine Investition zwischen 80 und 90 Milliarden Euro erforderlich.

Die technischen Systeme stünden für die Digitalisierung der Fahrzeuge stünden in maximal drei Jahren in Serie zur Verfügung, „aber auch in Stuttgart, wo wir bis 2025 rund 85 Prozent der Gleise neu bauen, digitalisieren wir jetzt alles“, so Pofalla. Der Auftrag für 30 neue S-Bahnzüge, der in Stuttgart jetzt vergeben werden müsse, werde ausschließlich für die digitale Fahrzeuge erfolgen.

Die Rückendeckung des NRW-Verkehrsministers Hendrik Wüst (CDU) ist dem Nahverkehr Rheinland gewiss. Man werde dem Stuttgarter Beispiel folgen. „Es wäre bekloppt, die Digitalisierung beim S-Bahnausbau nicht vorzubereiten.“

Der erste Schritt ist getan. Und er ist bitter nötig. „Ohne diese Vereinbarung, die wir heute treffen, würde der Verkehr im Bahnknoten Köln in wenigen Jahren kollabieren“, sagt Bahnvorstand Pofalla. Der Knoten Köln und die Strecke zwischen Köln, Düsseldorf und Dortmund sei „die engste Stelle in ganz Deutschland. Alles, was wir hier tun, einschließlich des Rhein-Ruhr-Express, ist die Mindestvoraussetzung“. Derzeit laufen täglich 1200 Züge auf den Kölner Hauptbahnhof zu. Mehr geht nicht. Es müssten, würde man alle Wünsche erfüllen, an Werktagen bis zu 360 mehr sein, so die Bahn. Um das künftig fahren zu können, müssen Trassen erweitert und Kreuzungen durch Brücken ersetzt werden.

Die Westspange kostet 1,3 Milliarden Euro

Die Erschließung der Westspange bedeutet den Neubau von S-Bahngleisen zwischen Köln-Hansaring und Hürth-Kalscheuren sowie einen zweiten Bahnsteig an der Station Hansaring. Dadurch sollen sich die Umsteigemöglichkeiten zwischen der S-Bahn und den Kölner Verkehrs-Betrieben und die Anbindung der Eifelstrecke verbessern. Eigene S-Bahngleise bilden auch das Fundament für eine mögliche spätere Führung von S-Bahnen über die Südbrücke, die Planung einer linksrheinischen S-Bahn zwischen Köln und Bonn sowie den Ausbau der Oberbergischen Bahn zur S-Bahn. Die geschätzten Investitionen liegen bei 1,3 Milliarden Euro.

370 Millionen Euro für den Ausbau der S 11

Der Takt der S 11 in den Hauptverkehrszeiten zwischen Bergisch Gladbach und Worringen soll von bisher 20 auf zehn Minuten verdichtet werden. Dafür muss die Strecke zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach auf zwei Gleise erweitert werden. Der Kölner Hauptbahnhof und der Bahnhof Köln-Messe/Deutz brauchen jeweils einen neuen Bahnsteig mit zwei Gleisen. Geplant ist auch ein neuer Haltepunkt in Köln-Kalk. Das Projekt wird geschätzt 370 Millionen Euro kosten.

Bereits mitgeplant werden der barrierefreie Ausbau des Deutzer Bahnhofs und der S-Bahn-Haltepunkte Dellbrück und Holweide in Köln und Duckterath in Bergisch Gladbach....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta