Kölner Reaktionen auf Holland-Wahl: „Ein deutliches Signal gegen den Populismus"

Exil-Niederländer aus Köln und der Region bewerten das Wahlergebnis

Die Niederländer haben gewählt und sich gegen den Populismus entschieden. Was sagen denn Exil-Niederländer und Menschen, die viel mit den Niederlanden zu tun haben in Köln und der Region dazu? Wir haben sie gefragt:

Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie:

„Die Niederlande haben gestern ein deutliches Signal gegen den Populismus gesetzt. Nach allen Befragungen in den letzten Wochen hatte ich diese Ergebnisse nicht erwartet. Viele Wähler haben sich bestimmt erst nach dem Wochenende und dem Türkei-Eklat entschieden.

Auch wenn der Wahlsieg für Premier Rutte deutlich kleiner ist als bei den Wahlen 2012, ist er klarer Gewinner und kann jetzt anfangen, eine Regierung zu bilden. Das könnte allerdings lange dauern, da sein sozialdemokratischer Koalitionspartner völlig verschwunden ist. Mit den beiden Parteien aus der bürgerlicher Mitte, die enorm gewachsen sind, muss er neu überlegen und sich entscheiden, welcher vierte Partner dazu gesucht wird. An sich bietet sich dafür der zweite Gewinner des Abends, Groen Links an, die am meisten Zuwachs bekommen haben. Es gäbe dann eine kunterbunte Regierung, mit allen Couleurs und Strömungen und einer deutlichen Mehrheit im Parlament.“

Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln:

„Das Ergebnis der Wahl in den Niederlanden ist insbesondere mit Blick auf die überaus hohe Wahlbeteiligung eine klare Bestätigung eines demokratischen, geeinten Europas ohne Grenzen und ohne Handelsbarrieren. Gerade für eine Wirtschaftsregion wie die unsere, die mitten in Europa liegt und von offenen Märkten in Europa enorm profitiert, ist der Ausgang der Wahl ein gutes und wichtiges Signal.

Die Niederlande sind nach wie vor der wichtigste Handelspartner für ganz Nordrhein-Westfalen. Hier in der Region sind zahlreiche niederländische Unternehmen angesiedelt: Allein in den Bezirken der sieben rheinischen IHKs Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Duisburg, Köln, Mittlerer Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid sind derzeit 2.823 niederländische Unternehmen im Handelsregister (HR) eingetragen, das ist mehr als ein Fünftel der ausländischen HR-Unternehmen insgesamt und damit die größte Fraktion. Auch im Bezirk der IHK Köln liegen die Niederlande mit derzeit 299 eingetragenen Unternehmen auf Platz 1."

Anouk van der Vliet, Radiojournalistin, Krefeld:

„Ich bin nicht überrascht über das Ergebnis, weil ich bis zuletzt gehofft habe, dass die Niederländer noch zur Vernunft kommen. Ein anderes Ergebnis hätte auch einfach nicht zu den Niederlanden gepasst. Ich hatte zwar ein bisschen Angst vor dem Trump-Effekt, weil in den USA ja auch vor seiner Wahl gesagt haben ,Acht, das passiert ja sowieso nicht‘ und dann ist er doch gewählt worden – das ist Gott sei Dank in den Niederlanden nun nicht passiert.

Ich glaube zwar nicht, dass sich jetzt politisch viel ändert, aber ich könnte mir vorstellen, dass es dieses Mal noch länger dauern könnte, bis eine Koalition gefunden wird, weil die Sozialen so abgeschlagen sind. Aber ich glaube schon, dass Wilders das Ergebnis nicht auf sich sitzen lassen wird. Da wird bestimmt etwas kommen, wahrscheinlich über Twitter. Aber er muss sich mit dem Ergebnis abfinden.

Bisher habe ich befürchtet, dass wenn Wilders viel Zustimmung bekommt, könnte das auch Auswirkungen auf die Wahlen in Frankreich und Deutschland haben und auch den dortigen Populisten Zuspruch bringen. Jetzt könnte es aber auch ein Zeichen für das Gegenteil sein.“

Wil van Dijk, Rentnerin, Bonn:

„Ich bin sehr überrascht über das Ergebnis, aber natürlich hoch erfreut und sehr erleichtert. Bis zuletzt wusste man ja nicht, wie sich die sogenannten schwebenden Wähler entscheiden. Jetzt hat Holland aber doch Verantwortung gezeigt und die hohe Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent ist natürlich auch sehr gut. Die Holländer haben Demokratiestärke bewiesen.

Ich glaube, dass sich in der niederländischen Politik etwas ändern wird, weil ich glaube, dass Wilders mehr ins Abseits gerät – niemand will mit ihm regieren. Ich hoffe aber, dass es eine stabile Regierung geben wird, denn Wilders wird es der Regierung schwer machen.

Gleichzeitig bin ich aber froh, dass Rutte weiter machen kann. Ich glaube schon, dass er sich als Premier bewährt hat, auch im Zusammenhang mit Europa. Das soll er weiterführen.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen