Kölner Urteil zu verschwundenem Koffer: Urlauber bekommen Ersatzkleidung nicht bezahlt

Die Kläger hatten zu früh neue Kleidung für eine Abendveranstaltung eingekauft.

Der Wochenend-Trip, der so verheißungsvoll klang, war eine einzige Katastrophe. Ein annullierter Flug, ein verschwundener Koffer, ein Gala-Dinner in Ersatzkleidung und auch noch eine Niederlage vor dem Amtsgericht, das den Anspruch auf Schadenersatz komplett verweigerte. Doch von vorne.

Dieter S. und sein Lebensgefährte Peter D. (Steward, alle Namen geändert) standen an einem Freitagmorgen im August 2015 pünktlich am Düsseldorfer Flughafen, als sie erfuhren, dass der Flug nach Paris am Vormittag ersatzlos gestrichen war und sie erst Stunden später abheben konnten. Da war der Koffer schon aufgegeben.

Koffer in Köln geblieben

Am späten Nachmittag endlich in Paris angekommen, stand das Paar vergeblich am Gepäckband – der Koffer kam nicht. Er stand noch in Köln, hieß es auf Nachfrage, und werde am nächsten Tag pünktlich um 13 Uhr im Hotel der Reisenden eintreffen.

Eigentlich noch rechtzeitig, da die Galaveranstaltung mit dem besonderen Dresscode abends stattfand. Dass der Koffer tatsächlich erst am Sonntagmittag eintreffen würde, wussten die beiden noch nicht, als sie sich am Samstagvormittag aufmachten, um sich für die Galaveranstaltung am Abend neu einzukleiden.

788,81 Euro ausgegeben

Hätten sie mal besser bis 13 Uhr gewartet, dann wäre die Chance auf Schadenersatz um hundert Prozent gestiegen. Doch das Paar ging bereits morgens shoppen, schlug bei einem italienischen Designer für 689 Euro zu. Auch Hygiene-Artikel wie Zahnpasta, Augen- und Gesichtscreme, Rasierer und Schaum, Aftershave und anders standen für insgesamt 99 Euro auf der Einkaufsliste, die sie ihrer Schadenersatzklage beifügten.

Doch das Paar erhält keinen Cent der insgesamt ausgegebenen 788,81 Euro zurück. Denn ihr Einkaufstrip begann bereits um 11.31 Uhr – so ist es minutiös auf der Rechnung der Designer-Boutique aufgelistet. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Koffer – theoretisch – noch rechtzeitig für die Abendveranstaltung eingetroffen.

Hätte das Paar bis nach 13 Uhr gewartet und dann gemerkt, dass der Koffer nicht wie versprochen eintraf, wäre ihre Klage berechtigt gewesen, hätte es einen Anspruch auf „angemessene und notwendige Ersatzbeschaffung gegeben“ , heißt es im Urteil des Amtsgerichts, das die Klage abwies.

Urteil stützt sich auf Montrealer Übereinkommen

Auch für die Hygiene-Artikel gibt es kein Geld zurück. „Das sind Dinge des täglichen Bedarfs, die man immer wieder neu erwirbt“, so die Begründung. Hätte das Paar Samstagmorgen lediglich Unterwäsche und ein frisches Hemd zum Wechseln gekauft, weil sie beide nicht in den Sachen vom Vortag vor die Tür gehen und bis 13 Uhr warten wollten – die Chance für eine Erstattung wäre gestiegen. Alles also eine Frage der Argumentation.

Das Urteil stützt sich auf das Montrealer Übereinkommen, in dem Haftungsfragen im internationalen zivilen Luftverkehr geregelt sind. Es ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Vielleicht sieht der Richter der nächsten Instanz den Aspekt der angemessenen und notwendigen Ersatzbeschaffung...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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