König Charles III. will "Beispiel" der Queen folgen

In seiner Antrittsrede als König vor dem britischen Parlament hat Charles III. angekündigt, dem Vorbild der verstorbenen Queen Elizabeth II. folgen zu wollen. Seine Mutter habe "ein Beispiel selbstlosen Pflichtbewusstseins" abgegeben, sagte der 73-Jährige vor den Mitgliedern des Ober- und Unterhauses in der Westminster Hall am Montag. Er sei entschlossen, diesem Beispiel "mit Gottes Hilfe und Ihrem Rat treu zu folgen".

Die am Donnerstag mit 96 Jahren gestorbene Elizabeth II. war während ihrer 70 Jahre währenden Regentschaft stets auf politische Neutralität bedacht gewesen. Sie hatte ihre verfassungsmäßigen Pflichten wie die Eröffnung des Parlaments erfüllt, ohne jemals öffentlich ihre persönliche Meinung kundzutun.

Charles würdigte in seiner Antrittsrede auch die wichtige Rolle des Parlaments. "Das Parlament ist das lebendige und atmende Instrument unserer Demokratie", sagte er. Der neue König verwies auf die "Last der Geschichte, die uns umgibt und die uns an die wesentlichen parlamentarischen Traditionen erinnert, denen sich die Mitglieder beider Häuser verschrieben haben".

Auf goldenen Thronen nahmen Charles und Königsgemahlin Camilla in der 900 Jahre alten Westminster Hall die Beileidsbekundungen der beiden Parlamentskammern entgegen. Nach seiner Rede flog der neue Regent mit seiner Frau nach Edinburgh, wo am Nachmittag der Sarg mit den sterblichen Überresten der Queen in einer Prozession in die St. Giles-Kathedrale gebracht wird. Charles wird die Prozession anführen und gleich hinter dem Sarg seiner Mutter gehen.

Ein Gottesdienst mit Mitgliedern der königlichen Familie ist für 16.00 Uhr MESZ geplant. Nach einem Besuch des Königs im schottischen Parlament hält die königliche Familie am Abend eine Totenwache für Elizabeth II. ab. Die Öffentlichkeit kann bis Dienstag am Sarg Abschied von der Queen nehmen.

Schon früh versammelten sich in Edinburgh die ersten Trauernden, um sich für die dafür notwendigen Armbänder anzustellen. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich etwas tun muss. Ich wollte heute einfach kommen", sagte der 47-jährige Steve Crofts. Die 79 Jahre alte Sue Stevens sprach vom "Ende einer Ära".

Queen-Enkel Prinz Harry äußerte sich am Montag erstmals seit dem Tod seiner Großmutter in einer emotionalen Mitteilung und bezeichnete Elizabeth II. als "leitenden Kompass" in seinem Leben. Er sei ihr "für immer dankbar", erklärte der 37-Jährige.

"Danke für dein ansteckendes Lächeln", fügte er hinzu. "Auch wir lächeln, weil wir wissen, dass du und Opa jetzt wieder vereint seid, und beide in Frieden ruht." Elizabeths Ehemann Prinz Philip war im vergangenen Jahr gestorben.

Harry versprach zudem, seinen Vater Charles in dessen neuer Funktion als König zu "ehren". Das Verhältnis zwischen Harry, seinem Vater und seinem älteren Bruder William war zuletzt deutlich abgekühlt. Harry und seine Ehefrau Meghan hatten sich Anfang 2020 aus der ersten Reihe der Königsfamilie zurückgezogen und waren in Meghans Heimat Kalifornien umgezogen. Die Trauer um die Großmutter hat die zerstrittene Familie jedoch offenbar einander wieder näher gebracht.

Der Sarg der Königin wird am Dienstag von Edinburgh nach London geflogen. Ab Mittwoch wird er dann in der Westminster Hall vier Tage lang aufgebahrt. Die Öffentlichkeit kann bis zum 19. September 23 Stunden täglich Abschied von der verstorbenen Regentin nehmen. Laut "The Times" werden rund 750.000 Besucher erwartet.

Am 19. September werden dann bei der staatlichen Trauerfeier in der Londoner Westminster Abbey Trauergäste aus aller Welt, darunter rund 500 Staats- und Regierungschefs, Abschied von der Königin nehmen. Zu den Trauergästen zählt neben US-Präsident Joe Biden auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

noe/ck