Kampf um F1-Cockpits: Wo landen Hülkenberg und Schumacher?

Stefan Schnürle
·Lesedauer: 5 Min.

Die Formel 1 macht an diesem Wochenende Station in Portugal für das zwölf Saisonrennen der Saison. (Formel 1: Großer Preis von Portugal am Sonntag ab 14.10 Uhr im LIVETICKER)

Doch während Lewis Hamilton sein siebter WM-Titel nach dem Ausfall von Valtteri Bottas beim Eifel-GP bereits kaum mehr zu nehmen ist, gibt es im Fahrerkarussell noch reichlich Spannung.

Denn auch wenn zahlreiche Cockpits schon vergeben wurden, sind noch einige heiß umkämpft. Zwei Deutsche spielen in dem Kampf um die letzten Plätze eine große Rolle.

SPORT1 gibt einen Überblick über die Kandidaten für die noch nicht bestätigten Cockpits.

Nico Hülkenberg

Die Situation des Feuerwehrmanns des Jahres 2020 in der Formel 1 ist kurios. Hülkenberg war in dieser Saison bei drei Rennen für Racing Point eingesprungen und zeigte dabei teils glänzende Leistungen. Danach erhielt der Deutsche Lob von zahlreichen Fahrern und Teamchefs.

So gut wie jeder F1-Boss - der seine Plätze noch nicht belegt hatte - sagte, dass Hülkenberg ein Kandidat sei. Selbst Mercedes-Teamchef Toto Wolff bezeichnete ihn als "guten Kandidaten", allerdings wohl nur als Ersatzfahrer. Das will Hülkenberg jedoch nicht, wie er im Gespräch im AvD Motorsport Magazin auf SPORT1 bestätigte.

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Damit bleiben für Hülkenberg noch Haas, Alfa Romeo und Red Bull. Nachdem er Haas bereits selbst als "unrealistische" Option bezeichnete, galt Alfa Romeo als heißer Kandidat. Doch die setzen laut Informationen von SPORT1 und der Gazzetta dello Sport nun wohl doch auf ihre Stammpiloten Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen.

Red Bull wäre wohl Hülkenbergs bevorzugte Option. Die Österreicher haben auch Interesse an ihm, wie Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei SPORT1 bestätigte - doch der jetzige Red-Bull-Fahrer Alex Albon hat es wohl in der eigenen Hand. Bleibt er auf etwa drei Zehntel an Teamkollege Max Verstappen dran, hat er sein Cockpit sicher. Wenn nicht, könnte die Stunde von Hülkenberg schlagen.

Mick Schumacher

Sollte Alfa Romeo weiter auf seine beiden Stammpiloten setzen, wären das auch erst einmal schlechte Nachrichten für den jungen Schumacher. Doch der Sohn von Rekord-Weltmeister muss sich wohl dennoch keine großen Sorgen machen.

Wahrscheinlich wird der 21-Jährige einfach nur in ein anderes Kunden-Team von Ferrari gesteckt. Bereits am Sonntag hatte Haas-Teamchef Günther Steiner im AvD Motorsport Magazin auf SPORT1 bestätigt, dass er sich Mick Schumacher für eines seiner Cockpits wünscht - das könnte nun tatsächlich passieren.

Wie SPORT1am Mittwoch berichtete, ist Schumacher ein heißer Kandidat auf ein Cockpit bei Haas. Eine Entscheidung ist allerdings noch nicht getroffen. Fest steht bisher nur, dass Romain Grosjean und Kevin Magnussen ihre Cockpits verlieren, weshalb bei Haas gleich beide Plätze neu zu vergeben sind.

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Nikita Mazepin

Ein Platz bei Haas gehört sehr wahrscheinlich dem Russen Nikita Mazepin. Zwar wollte Steiner das bei SPORT1 nicht direkt bestätigten: "Mr. Mazepin will seinen Sohn in der Formel 1 - und sein Sohn will das vermutlich noch mehr. Aber wir müssen uns erst entscheiden, in welche Richtung wir gehen."

Nach den bestätigten Abgängen der beiden bisherigen Stammpiloten wäre es jedoch eine Überraschung, wenn Mazepin kein Haas-Cockpit erhalten würde. Dafür wird dessen Vater Dmitri mit einer großzügigen Mitgift seines Konzerns Uralkali schon sorgen. Gerüchte, dass dieser direkt das ganze Haas-Team kaufen will, erteilte Steiner aber eine Abfuhr.

In der Formel-2-Wertung liegt Mazepin aktuell nur auf Rang sechs - mehr als 50 Punkte hinter Spitzenreiter Mick Schumacher. Unter Motorsport-Fans ist Mazepin sehr umstritten, da mit dem hitzköpfigen Piloten in früheren Rennen schon ab und an die Sicherung durchbrannten und er sogar einen Fahrerkollegen verprügelte.

Callum Ilott/Robert Robert Shwartzman

Sein Opfer war damals ausgerechnet der Brite Ilott, der bei der Cockpit-Suche für 2021 nun an den Millionen von Mazepin senior scheitern könnte, obwohl er in der Fahrerwertung auf Rang zwei deutlich vor ihm liegt. Denkbar wäre für Ilott dann ein Wechsel in die Formel E.

Der mit Landsmann Mazepin punktgleiche Robert Shwartzman muss wahrscheinlich ein weiteres Jahr in der Formel 2 absolvieren, bevor er in die Königsklasse aufsteigen kann.

Pierre Gasly/Daniil Kvyat

Noch hat AlphaTauri keinen Fahrer für 2021 bestätigt. Die Bekanntgabe der Verlängerung mit Monza-Sieger Pierre Gasly ist aber wohl nur eine Frage der Zeit. Für Daniil Kvyat dürfte es dagegen eng werden.

Der Japaner Yuki Tsunoda gilt als wahrscheinlicher Kandidat, was Marko auch bei SPORT1 bestätigte: "Bei Tsunoda geht es noch um die Superlizenz. Er ist derzeit an der dritten Stelle in der F2-Meisterschaft. Es würde auch ein fünfter Platz ausreichen, aber es sind noch vier Rennen. Das warten wir ab und dann werden wir endgültige Entscheidungen treffen."

Bis zum Formel-1-Rennen in Istanbul, welches Mitte November stattfindet, soll eine Entscheidung fallen.

Sergio Pérez

Nachdem Pérez bei Racing Point, welches ab 2021 Aston Martin heißt, für Sebastian Vettel Platz machen muss, sucht der Mexikaner aktuell ein Cockpit. Bei Haas gilt er als Außenseiterkandidat, da das Team wohl auf zwei junge Fahrer setzt.

Eine weitere Möglichkeit soll das Williams-Team, das die eigehenden Sponsor-Millionen mit einer Verpflichtung des 30-Jährigen gut gebrauchen könnte, sein. Gerüchten zufolge wackelt Mercedes-Junior George Russell trotz guter Leistungen.

Doch der Dreijahresvertrag von Russell läuft noch bis Ende 2021 und er wurde vor langer Zeit genau we Teamkollege Nicholas Latifi als Fahrer für 2021 bestätigt. Womöglich öffnet sich für Pérez auch noch eine Tür zu Red Bull, falls Albon in den kommenden Rennen schwächelt.

Lewis Hamilton

Der sechsmalige Weltmeister könnte natürlich noch einmal alles über den Haufen werfen, wenn er sich gegen eine Verlängerung bei Mercedes entscheidet. Davon ist aber aktuell nicht auszugehen.

"Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir uns hinsetzen und die Sache besprechen", sagte Hamilton am Rande des Rennwochenendes in Portimao. Er habe zusammen mit Mercedes "in all den Jahren eine Menge erreicht, und wir sind auch noch längst nicht fertig".

Dass Hamiltons Vertrag ebenso wie der von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff 2020 ausläuft, nährt die Spekulation, dass er sich erst weiter an Mercedes binden will, wenn die Zukunft seines engen Vertrauten Wolff geklärt ist.

Das bestätigte Fahrerfeld für die Formel-1-Saison 2021:

Mercedes: Valtteri Bottas (Vertrag bis Ende 2021), (?)
Ferrari: Charles Leclerc (2024), Carlos Sainz jr. (2022)
Red Bull: Max Verstappen (2023), (?)
McLaren: Lando Norris (2022), Daniel Ricciardo (2022)
Alpine: Esteban Ocon (2021), Fernando Alonso (2022)
Alpha Tauri: (?), (?)
Aston Martin: Lance Stroll (2021), Sebastian Vettel (2022)
Alfa Romeo: (?), (?)
Williams: George Russell (2021), Nicholas Latifi (2021)
Haas: (?), (?)