Kandidaten in Frankreich werben auf Großkundgebungen um Stimmen

Emmanuel Macron vor Anhängern

Mit Großkundgebungen haben sich die führenden Kandidaten für den Endspurt der französischen Präsidentschaftswahl in Stellung gebracht. Der aussichtsreiche Bewerber Emmanuel Macron legte am Montagabend vor rund 20.000 Anhängern in Paris ein Bekenntnis zur europäischen Integration und zur Modernisierung Frankreichs ab. Es war seine bislang größte Wahlkampfkundgebung.

Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen sprach am Abend vor 6000 Anhängern in Paris, ihre Rede wurde kurzzeitig von Demonstrantinnen auf der Bühne unterbrochen. Auch die in den aktuellen Umfragen folgenden Bewerber - der Linksaußen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon und der Konservative François Fillon - warben um Stimmen für den ersten Wahlgang am kommenden Sonntag.

Der Unabhängige Macron verteidigte in seiner Rede die EU gegen Angriffe von Links- und Rechtsaußen. "Wir brauchen Europa, deswegen werden wir es erneuern", sagte er. "Ich werde der Präsident sein, der unsere europäischen Ambitionen neu erweckt." Angesichts der europakritischen Töne seiner Mitbewerber wolle er "Hoffnung und Mut gegen die Resignation" verkörpern.

Le Pens Rede in der französischen Hauptstadt wurde von zwei Demonstrantinnen unterbrochen, die mit nackten Oberkörpern auf die Bühne stürmten; sie wurden schnell abgeführt. Am Rande der Kundgebung kam es zu Rangeleien zwischen Le-Pen-Gegnern und Ordnungskräfte. "Diese Linksextremisten liegen so falsch", kommentierte die Front-National-Chef den Vorfall. Wie üblich schlug Le Pen immigrationsfeindliche Töne an: "Hinter der Masseneinwanderung steht der Terrorismus."

Der linke Kandidat Mélenchon ging am Ostermontag per Boot auf Stimmenfang: Er befuhr die Wasserstraßen im Nordosten von Paris und sprach an den Haltepunkten zu seinen Anhängern. "Haltet das Feuer der Rebellion in Euch am Lodern", rief er sie auf. Mit Lob bedachte der von den Kommunisten unterstützte Kandidat die autokratischen Führer verarmter Länder wie Kuba und Venezuela.

Der Konservative Fillon, dem die Verstrickung in eine Scheinbeschäftigungsaffäre schwer zu schaffen macht, bemühte sich am Montag um Zuversicht vor seinen Anhängern. "Ich werde in die Stichwahl kommen, weil es in unserem Land einen ausgeprägten Wunsch nach Wandel gibt", sagte er in Nizza.

Die Umfragen sehen derzeit noch Le Pen und Macron mit jeweils 22 bis 24 Prozent in der ersten Runde vorne. Ihr Vorsprung ist zuletzt aber geschmolzen. Deutlich aufgeholt haben der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon und der Konservative François Fillon. Das Rennen ist damit weiterhin völlig offen.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen