Kardinal Marx sieht im Fall Woelki großen Schaden für die katholische Kirche

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Kardinal Rainer Woelki 2017 bei einer Predigt in Israel

Die Affäre um das vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zurückgehaltene Missbrauchs-Gutachten hat nach Einschätzung des langjährigen Bischofskonferenz-Vorsitzenden Reinhard Marx großen Schaden für die katholische Kirche angerichtet. "Die Wirkung dessen, was da passiert, ist für uns alle außerordentlich negativ", sagte der Münchner Kardinal der "Augsburger Allgemeinen" (Montagsausgabe). Woelki selbst schließt derweil seinen Rücktritt nicht aus.

Marx sagte der Zeitung: "Der Schaden für die katholische Kirche ist groß." Woelki habe sich bei einer Onlinekonferenz des sogenannten synodalen Wegs "ja geäußert". Er hoffe, sagte Marx, "dass sich Perspektiven zeigen, um aus dieser Situation herauszukommen".

Das Erzbistum Köln hatte ursprünglich die Münchner Kanzlei Westphal Spilker Wastl mit einem Gutachten zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch beauftragt. Das Papier, das im vergangenen Jahr veröffentlicht werden sollte, hält Woelki aber zurück. Der Kölner Erzbischof begründete dies mit angeblichen Mängeln der Untersuchung. Woelki steht selbst unter Verdacht, Missbrauchsvorwürfe gegen einen mittlerweile verstorbenen Priester vertuscht zu haben.

Der Kölner Kardinal weist diesen Vorwurf zurück, räumt aber Fehler ein. "Die Übernahme von Verantwortung, die ich von allen anderen verlange, werde ich auch mir abverlangen", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe) auf die Frage, ob er möglicherweise als Erzbischof zurücktrete, wenn ihm ein neu in Auftrag gegebenes Gutachten pflichtwidriges Verhalten attestiere.

Das neue Gutachten des Juristen Björn Gercke werde "auch meine Rolle in diesem Fall beurteilen“, sagte Woelki weiter. Bei der Untersuchung sei es ihm von Anfang an darum gegangen, mögliche Fehler und Versäumnisse von Verantwortlichen deutlich zu benennen. "Dazu gehört auch das Nennen der Namen von Verantwortlichen. Denn Verantwortung ist persönlich."

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester räumte der Kardinal erneut eigenes Fehlverhalten ein: "Auf dem Weg habe auch ich Fehler gemacht, und die sind in der Tat schmerzlich. Ich hoffe sehr, dass der Vertrauensverlust wiedergutzumachen ist."

Im Gespräch mit der "RP" verteidigte Woelki aber zugleich seine Entscheidung, das erste Gutachten zurückzuhalten. Wegen möglicher Verstöße gegen das Persönlichkeits- und das Äußerungsrecht bestehe die Gefahr, dass das Gutachten "gar nicht das Licht der Welt erblickt und vorher weggeklagt wird", sagte er.

Kardinal Marx kündigte an, das neue Gutachten werde, "davon gehe ich aus", im Laufe des Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es werde "im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Verantwortliche benennen". Das gelte auch "für meine Person und meine Verantwortungsbereiche".

ilo/rh