Kardinal Pell bezeichnet Missbrauch als "moralisches Krebsgeschwür" der Kirche

·Lesedauer: 1 Min.

Der vor wenigen Tagen vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs freigesprochene australische Kardinal George Pell hat die Pädophilie-Problematik in der katholischen Kirche als "moralisches Krebsgeschwür" bezeichnet. "Die "Krise des sexuellen Missbrauchs" sei schlecht für die katholische Kirche, "aber wir haben schmerzhaft an einem moralischen Krebsgeschwür operiert - und das ist gut so", schrieb Pell in einem am Samstag von der Zeitung "The Weekend" veröffentlichten Brief.

In seiner Osterbotschaft mit dem Titel "Im Leiden finden wir Erlösung" berichtet Pell, der stets seine Unschuld angesichts des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs beteuert hatte, über seine Enttäuschung nach seiner Verurteilung. "Ich habe gerade 13 Monate im Gefängnis für ein Verbrechen verbracht, das ich nicht begangen habe, eine Enttäuschung nach der anderen", heißt es in seinem Brief. Jedoch habe er die Erfahrung hinter Gittern in spirituelle Energie umgewandelt.

Pell hatte seit März vergangenen Jahres im Gefängnis gesessen, wo er eine sechsjährige Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs des "Zeugen J." und eines weiteren Jugendlichen absaß. Am vergangenen Dienstag hob das Oberste Gericht Australiens das Urteil gegen den früheren Finanzchef des Vatikans letztinstanzlich in allen Punkten auf. Wenige Stunden nach dem Freispruch durfte der 78-jährige Kardinal das Gefängnis verlassen.

In Missbrauchsfällen sei es schwierig, ein Strafgericht davon zu überzeugen, dass die Tat "ohne Zweifel stattgefunden" habe, erklärte J., der Pell vorgeworfen hatte, ihn und einen weiteren Chorknaben in den 90er Jahren sexuell missbraucht zu haben. Dies sei eine sehr hohe Hürde und eine "schwere Last" für die Opfer.

Pell war der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der im Zuge der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche verurteilt worden war. Der Vatikan begrüßte den Freispruch. Papst Franziskus rief zu Gebeten für unschuldig Verurteilte auf. Opfervertreter übten hingegen scharfe Kritik an dem Urteil.