Kardinal: Raúl Castros Sohn vertrat Kuba bei Geheimverhandlungen mit den USA

Alejandro Castro Espín (Mitte)

Bei der historischen Annäherung zwischen Kuba und den USA hat der Sohn des kubanischen Präsidenten Raúl Castro nach Angaben aus Kirchenkreisen eine entscheidende Rolle gespielt. Der 51-jährige Alejandro Castro Espín habe die Delegation seines Landes bei den Geheimverhandlungen mit dem früheren Erzfeind in den Jahren 2013 und 2014 angeführt, erklärte der kubanische Kardinal Jaime Ortega. Castro Espín wird als möglicher Anwärter auf das Präsidentenamt gehandelt.

Ortega, der frühere Erzbischof von Havanna, enthüllte die Personalie bei einer Konferenz in New York. Die Rede des Geistlichen, der als Gesandter des Vatikans an den Gesprächen beteiligt war, erschien nun im kubanischen katholischen Magazin "Espacio Laical".

Gerüchte, wonach der Oberst Castro Espín Kubas Verhandlungsführer war, zirkulierten schon seit langem. Doch die Regierung in Havanna hat bis heute nicht bekanntgegeben, wer die Gespräche auf Seiten Kubas leitete. Verhandlungsführer für die USA war Ricardo Zúñiga, ein enger Berater des damaligen US-Präsidenten Barack Obama.

Castro Espín ist der einzige Sohn von Raúl Castro. Er war auch bei den ersten Gesprächen seines Vaters mit Obama im April 2015 in Panama anwesend.

Der Sohn von Kubas Präsident hielt sich jahrelang im Hintergrund, doch wird der Experte für internationale Beziehungen als möglicher Anwärter auf das Präsidentenamt gehandelt. Zwar gilt Vize-Präsident Miguel Díaz-Canel als wahrscheinlicher Nachfolger von Raúl Castro, viele Beobachter erwarten aber, dass Castro-Espín bei dem geplanten Umbruch an der Staatsspitze im kommenden Jahr eine entscheidende Rolle spielen wird. Sein 85-jähriger Vater will im kommenden Februar seine Macht abgeben.

Obama und der kubanische Staatschef hatten im Dezember 2014 eine grundlegende Neuausrichtung der Beziehungen beider Länder angekündigt. Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Kalten Krieg näherten sich beide Länder damit wieder an. Im vergangenen Sommer nahmen Kuba und die USA wieder diplomatische Beziehungen auf, die USA lockerten ihre Reise- und Handelssanktionen.

Papst Franziskus hatte eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass es überhaupt zu den Gesprächen zwischen Kuba und den USA kam. Ortega gab nun ebenfalls bekannt, dass das Datum der offiziellen Annäherung beider Länder kein Zufall war. Die Ankündigung der Neuausrichtung der bilateralen Beziehungen fiel auf den 17. Dezember - den Geburtstag von Papst Franziskus.

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