Karl Lauterbach fordert bei Lanz: "Jetzt müssen die Ungeimpften ihren Beitrag leisten"

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Der Höhepunkt der Omikron-Welle werde in etwa einem Monat werde in etwa einem Monat erreicht werden, so Karl Lauterbach, der am Mittwochabend beim ZDF-Talk zugeschaltet war.  (Bild: ZDF)
Der Höhepunkt der Omikron-Welle werde in etwa einem Monat werde in etwa einem Monat erreicht werden, so Karl Lauterbach, der am Mittwochabend beim ZDF-Talk zugeschaltet war. (Bild: ZDF)

Angesichts des rasanten Anstiegs der Infektionszahlen werden zunehmend Forderungen von Befürwortern der Impfpflicht laut, rasch einen Gesetzesentwurf vorzulegen. Bei "Markus Lanz" erklärte Karl Lauterbach, weshalb er selbst keinen Antrag stelle - und wieso eine Pflicht nun trotzdem unumgänglich sei.

In Deutschland übermittelten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut am Mittwoch erstmalig mehr als 100.000 Neuinfektionen an einem Tag. Auch am Donnerstag wurde mit 133.000 gemeldeten Fällen ein neuer Höchstwert erreicht. Obwohl die tägliche Zahl der Infizierten somit bereits in bislang unbekannte Höhen geklettert ist, scheint sich die Omikron-Welle bislang nicht auf die Intensivstationen niedergeschlagen zu haben: Dort ist die Zahl der an COVID-19 erkrankten Menschen im Vergleich zum Vormonat sogar auf zuletzt 2.664 gesunken. Dass dies jedoch kein Grund zur Entwarnung sei, erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Mittwochabend im ZDF-Talk "Markus Lanz".

"Die starke Welle wird noch kommen", mahnte Lauterbach. "Mit der tatsächlichen Auslastung der Intensivstationen rechnen wir erst ab Mitte, Ende Februar. Das dauert noch einen Monat - das wird die Belastungsprobe sein." Derzeit handele es sich bei denjenigen, die wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden müssten, hauptsächlich um Menschen, die sich noch mit der vorherigen Virusvariante Delta infiziert hätten.

Bisher sei Deutschland verhältnismäßig gut durch die Omikron-Welle gekommen, die Verdopplungszeit habe von 2,5 in anderen Ländern auf 6,5 Tage verlängert werden können, wie der SPD-Mann erklärte: "Die Maßnahmen wirken, und sie sind auch ungefähr so stark, wie wir berechnet hatten."

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach drängt auf die Einführung einer Impfpflicht, will aber keinen eigenen Gesetzesentwurf vorlegen. (Bild: 2022 Getty Images/Sean Gallup)
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach drängt auf die Einführung einer Impfpflicht, will aber keinen eigenen Gesetzesentwurf vorlegen. (Bild: 2022 Getty Images/Sean Gallup)

Lauterbach: Mitte Februar gibt es "mehrere Hunderttausend Fälle pro Tag"

Schwierig könne die Lage demnächst allerdings werden, wenn PCR-Testkapazitäten knapp werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt seien die Zahlen "relativ verlässlich", doch das sei schon bald nicht mehr haltbar. "Wir werden so hohe Fallzahlen bekommen, dass wir eine Priorisierung einführen müssen, wer PCR-getestet wird." Zu diesem Zweck werde er am Wochenende einen Vorschlag für die Ministerpräsidentenkonferenz am Montag vorlegen.

Der derzeitige "Goldstandard" könne dann nur noch angewendet werden, um schutzbedürftige Menschen nicht zu gefährden. Um dies zu gewährleisten, müsste die geringe Kapazität an PCR-Tests für diejenigen genutzt werden, die sich um diese Personengruppe kümmern, also "die Krankenhausbeschäftigten, die Pflegebeschäftigten, die Menschen der Eingliederungshilfe, der Behindertenpflege", so Lauterbach.

Eine große Herausforderung sei zudem die hohe Zahl an Ungeimpften hierzulande, wie der Gesundheitsexperte zum wiederholten Male betonte. "Wenn man die realistischen Szenarien zusammenfasst, würde ich davon ausgehen, dass die Welle Mitte Februar ungefähr ihren Höhepunkt erreichen wird." Lauterbach rechnet mit "mehreren Hunderttausend Fällen pro Tag". Da in Deutschland viele ältere Menschen nicht geimpft seien, könne eine solche Entwicklung "bei uns ganz anders ausgehen als beispielsweise in Italien, Frankreich oder England."

Dort könne man "sehr hohe Fallzahlen verkraften", da nur wenige Menschen mit einer Corona-Infektion noch auf der Intensivstation behandelt werden müssten. Hierzulande sei das anders: "Wir haben ein Handicap durch die große Zahl derjenigen, die unwillig sind, die Impfung zu akzeptieren, aber trotzdem voll im Risiko stehen." Damit meinte der SPD-Politiker vor allem die Altersgruppe der über 65-Jährigen.

Extremismus-Forscher Matthias Quent (rechts) und Journalistin Franziska Klemenz lauschten gebannt, als Karl Lauterbach sich erneut für eine Impfpflicht aussprach: "Das ist jetzt unbedingt notwendig, wenn wir dieses Problem ein für alle Mal erledigt haben wollen."  (Bild: ZDF)
Extremismus-Forscher Matthias Quent (rechts) und Journalistin Franziska Klemenz lauschten gebannt, als Karl Lauterbach sich erneut für eine Impfpflicht aussprach: "Das ist jetzt unbedingt notwendig, wenn wir dieses Problem ein für alle Mal erledigt haben wollen." (Bild: ZDF)

"Der Schiedsrichter kann nicht mitspielen"

Aus diesem Grund befürworte Lauterbach weiterhin eine allgemeine Impfpflicht. "Das ist jetzt unbedingt notwendig, wenn wir dieses Problem ein für alle Mal erledigt haben wollen." Er wolle nicht, "dass wir im Herbst erneut darüber diskutieren, ob wir Lockdownmaßnahmen ergreifen müssen." Mit den derzeitigen Regelungen und Einschränkungen schütze man vor allem diejenigen, die nach wie vor eine Impfung verweigerten. "Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo auch die Ungeimpften ihren Beitrag leisten müssen." Die Impfpflicht müsse so schnell wie möglich beschlossen werden, damit sie "im Herbst schon voll wirken kann".

Das Unverständnis von Markus Lanz darüber, dass immer noch kein klarer Gesetzesentwurf vorliege, wies Lauterbach von sich. Er als Gesundheitsminister müsse, ebenso wie der Justizminister oder der Kanzler, sicherstellen, dass die Anträge zu einer Impfpflicht auch so gestaltet seien, dass daraus ein Gesetz hervorgehen könne. Aus diesem Grund müsse er möglichst objektiv bleiben: "Diese Neutralität setzt voraus, dass wir als Regierung nicht selbst Antragsteller sind."

Er könne nicht alle eingehenden Anträge für oder gegen eine Pflicht gleichermaßen bewerten, wenn er selbst einen davon eingereicht hätte. "Der Schiedsrichter kann nicht mitspielen", so der SPD-Mann. Bei ethischen Fragen wie der einer Impfpflicht sei es wichtig, dass die Anträge nicht von der Regierung, sondern parteiübergreifend aus der Mitte des Bundestags kämen: "Wir wollen die Impfpflicht von der Parteipolitik loslösen."

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