„Katastrophe für den Planeten“: Umweltschützer greift Justin Trudeau an

Trudeau ist beileibe kein Heiliger, warnen Umweltschützer. (Bild: Reuters)

Der sympathische Premierminister Kanadas ist in Umweltfragen viel schlimmer als Donald Trump. Dieser Ansicht ist Umweltschützer Bill McKibben. Er wirft Justin Trudeau Heuchelei und einen massiven Raubbau an der Natur vor.

„Hört auf, von Justin Trudeau zu schwärmen. Der Mann ist eine Katastrophe für den Planeten.“ Schon in der Überschrift seines Kommentars in der britischen Zeitung „The Guardian“ nimmt Bill McKibben kein Blatt vor den Mund. Der renommierte US-Umweltaktivist kann einerseits durchaus verstehen, warum alle Welt so von dem kanadischen Premierminister schwärmt. „Er ist mit Sicherheit süß und weltweit der einzige Staatenlenker, der aussieht, als sei er kürzlich aus einer Boyband ausgetreten.“ In Sachen Klimaschutz aber sei Trudeau „ein Bruder des alten, orangefarbenen Kerls in Washington“.

Schlimmer noch: „Donald Trump ist ein Widerling und eine Gefahr und nicht nett anzuschauen, aber wenigstens ist er kein grandioser Heuchler“, schrieb McKibben, der 2014 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Trudeau sage zwar stets das Richtige, aber „diese Worte sind bedeutungslos, wenn du mehr Kohlenstoff ausgräbst und zum Verbrennen verkaufst“.

Der Premier macht selbst neben den britischen Prinzen William (M.) und Harry eine gute Figur. (Bild: Reuters)

„Er drängt eifrig auf neue Pipelines durch Kanada und die USA, um noch mehr Öl aus Albertas Teersand abzutransportieren, was eine der größten Klimakatastrophen weltweit ist“, urteilte der Umweltschützer. In der kanadischen Provinz Alberta liegt das zweitgrößte Ölvorkommen der Welt – nach Saudi Arabien. Das Öl ist allerdings vermischt mit Ton und Sand. Greenpeace erwartet durch den Abbau „unvorstellbare Schäden an der Umwelt“.

Das stört Trudeau nach Darstellung McKibbens jedoch nicht. Bei einer Veranstaltung der Erdölindustrie habe der Premier kürzlich verkündet: „Kein Land würde 173 Milliarden Barrel Öl im Boden finden und sie dort lassen.“ Dafür habe Trudeau stehende Ovationen geerntet. Der Autor warnte vor verheerenden Auswirkungen auf die Ziele des Klimaabkommens von Paris. Würde das gesamte in Alberta gefundene Öl verbrannt, entspreche dies bereits einem Drittel des weltweiten CO2-Austoßes, der nötig wäre, um die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen.

Außerdem unterstütze die Regierung Trudeaus Pläne für die größte Kohlenmine der Welt. Diese kanadische Mine allein würde 362 Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen der Philippinen produzieren, wo rund dreimal so viele Menschen leben wie in Kanada. „Das ist offensichtlich mathematisch und moralisch absurd“, bilanzierte McKibben.

Trudeau war nach dem Amtsantritt seines US-Kollegen zeitweise als „Anti-Trump“ gefeiert worden, unter anderem wegen der Willkommenskultur für Flüchtlinge. Allerdings war schnell zunehmende Kritik an dem Politiker mit Sunnyboyimage laut geworden. Dafür sorgte vor allem sein äußerst harmonischer Antrittsbesuch Mitte Februar in Washington, D.C., bei dem sich Trudeau mit kritischen Anmerkungen auffallend zurückhielt.

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