Katastrophenschutz: Großflächiger Stromausfall äußerst unwahrscheinlich

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hält einen großflächigen Stromausfall im Winter für "äußerst unwahrscheinlich". Die Behörde stellte am Sonntag Aussagen von BBK-Chef Ralph Tiesler klar. Er hatte der "Welt am Sonntag" gesagt: "Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter Blackouts geben wird." Er bezog dies auf eine "regional und zeitlich begrenzte Unterbrechung der Stromversorgung". Eine BBK-Sprecherin erklärte dazu, Tiesler habe sich auf ein solches Szenario bezogen, "um die grundsätzliche Bedeutung von Vorsorgemaßnahmen hervorzuheben".

Die BBK-Sprecherin betonte am Sonntag: "Das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen, um das Stromnetz bei Störungen zu stabilisieren." Sie fügte hinzu: "Ebenso wird die Wahrscheinlichkeit als gering angesehen, dass es regional und zeitlich begrenzt zu erzwungenen Abschaltungen kommt, um die Gesamtversorgung weiter sicherzustellen." Die Behörde bedauere "die missverständliche Formulierung" Tieslers und stelle diese hiermit klar.

Zuvor hatte bereits die Bundesnetzagentur den Äußerungen widersprochen. "Deutschland verfügt über eines der weltweit zuverlässigsten Stromversorgungssysteme", sagte ein Sprecher den Funke-Zeitungen. "Es gibt zahlreiche Mechanismen und Reserven zur Stabilisierung des Stromnetzes in angespannten Situationen." Die Bundesnetzagentur halte die Wahrscheinlichkeit für gering, dass erzwungene Abschaltungen im kommenden Winter erforderlich werden.

Tiesler hatte in dem Interview mit der "Welt am Sonntag" gesagt, Ursache für einen möglichen Stromausfall sei dann nicht nur Energieknappheit, sondern auch das gezielte, zeitweise Abschalten der Netze durch die Betreiber, um die Netze zu schützen und die Gesamtversorgung nicht zu gefährden. "Das Risiko dafür steigt ab Januar und Februar, so dass wir davon ausgehen, dass es von da an stellenweise für eine gewisse Zeit zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommt", hatte der BBK-Präsident gesagt.

Tiesler kritisierte in diesem Zusammenhang, dass staatliche Stellen nicht immer ausreichend für Krisenlagen wie Stromausfälle gewappnet seien. Ein Teil der Kommunen und Behörden sei "wirklich mustergültig" aufgestellt, mit genauen Plänen und einer Sicherstellung der Stromversorgung durch Notstromaggregate vor Ort. "Andere stehen deutlich schlechter."

Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic warnte vor Panikmache. "Für den Fall, dass es regional zu zeitlich begrenzten Stromausfällen kommt, müssen wir dem mit entsprechender Vorbereitung begegnen", sagte sie am Sonntag dem "Handelsblatt". Gleichzeitig gelte es, "keine Panik zu schüren".

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, hält regionale Stromausfälle im Winter für denkbar. Die von den Katastrophenschützern beschriebene Situation sei "lediglich der richtige Hinweis, dass bei Energieknappheit zur Stabilisierung des Netzes vorübergehend regional und zeitlich begrenzt die Stromversorgung abgeschaltet oder begrenzt werden muss", sagte Landsberg dem "Handelsblatt". Er forderte zugleich eine Neuausrichtung und Modernisierung des zivilen Katastrophenschutzes.

Auch der Deutsche Städtetag forderte eine bessere Vorbereitung auf Blackouts. "Es kann im Winter passieren, dass der Strom in bestimmten Regionen vorübergehend ausfällt", sagte der Städtetagspräsident und Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe (CDU), den Funke-Zeitungen vom Sonntag. "Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass es längere Blackouts gibt", es werde "nicht tagelang in ganz Deutschland der Strom weg sein". Es gehe aber darum, "auf besondere Krisensituationen vorbereitet zu sein, die Menschen wie die Städte".

Es müsse "klar und eingeübt sein, wie auf den verschiedenen Ebenen schnell und gut koordiniert entschieden werden kann", betonte Lewe. Als Beispiel nannte Lewe Notstromaggregate, die mit Benzin betrieben werden. Bei der Treibstoffversorgung endeten kommunale Möglichkeiten.

cha/ran

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