Katholisch und queer: 125 Mitarbeiter der Kirche outen sich

Zeitgleich zur ARD-Doku "Wie Gott uns schuf" outen sich 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche als LGBTIQ+. (Bild: rbb/EyeOpeningMedia)
Zeitgleich zur ARD-Doku "Wie Gott uns schuf" outen sich 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche als LGBTIQ+. (Bild: rbb/EyeOpeningMedia)

"Wir sind hier und zwar so wie Gott uns schuf!": 125 katholische Kirchenmitarbeiter haben sich als queer geoutet. Im Rahmen der Initiative "#OutInChurch" und zeitgleich zur aktuellen "Story im Ersten" gingen sie an die Öffentlichkeit.

Wer sich nicht als heterosexuell identifiziert, hat es in der katholischen Kirche noch immer schwer. Viele Betroffene werden eingeschüchtert und denunziert, nicht wenige führen ein Doppelleben. Von diesen Missständen berichtet nun die "Story im Ersten: Wie Gott uns schuf", die viel mehr ist als nur eine aufklärerische Doku: Zeitgleich zur Ausstrahlung (Montag, 24. Januar, 22.50 Uhr) outen sich 125 LGBTIQ+-Personen, die haupt- oder ehrenamtlich für die katholische Kirche arbeiten. "#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst" heißt die Initiative, der sich unter anderem Priester, Pastoralreferent:innen, Religionslehrer:innen und Verwaltungsmitarbeiter:innen angeschlossen haben.

"Im kirchlichen Kontext bedeutet ein solcher Schritt immer noch ein erhebliches Risiko", heißt es in einer Mitteilung. "Tief verankerte kirchliche Methoden der Verurteilung und Beschämung" erschwerten das Coming-Out, das zudem folgenreich sein könne - oft drohe Betroffenen die Kündigung. Inspiriert von der Aktion "#ActOut", in deren Rahmen sich Anfang 2021 Schauspieler:innen geoutet hatten, will die Initiative auch "zu einer Erneuerung der Glaubwürdigkeit und Menschenfreundlichkeit der katholischen Kirche beitragen".

Wie es darum bestellt ist, zeigt "Die Story im Ersten": Hajo Seppelt, der seit Jahren zur Diskriminierung in der katholischen Kirche recherchiert, begleitete in der Doku gemeinsam mit Katharina Kühn, Marc Rosenthal und Peter Wozny betroffene Kirchenmitarbeiter:innen, die vom "Kampf um ihre Kirche" berichten und nun den Schritt an die Öffentlichkeit wagen. Sie liefern Einblicke in ein System, "in dem Druck, Angst und Willkür die Mitarbeitenden in Ungewissheit lassen, was genau passiert, wenn sie zu ihrer sexuellen Orientierung oder Identität stehen", wie es in der Ankündigung heißt.

Rainer Teuber, Leiter für Museumspädagogik und Besucherservice des Essener Domschatzes, hat "#OutInChurch" mit initiiert. (Bild: rbb/EyeOpeningMedia)
Rainer Teuber, Leiter für Museumspädagogik und Besucherservice des Essener Domschatzes, hat "#OutInChurch" mit initiiert. (Bild: rbb/EyeOpeningMedia)

"Wir sind hier und zwar so wie Gott uns schuf!"

Zu Wort kommen unter anderem Priester, Ordensbrüder, Gemeindereferentinnen, aber auch Kindergärtnerinnen und Sozialarbeiter im Dienst der Kirche. Für sie alle gilt ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht; die katholischen Grundsätze müssen auch im Privaten beachtet werden. Wer eine nicht-heterosexuelle Beziehung eingeht, steht demnach im Widerspruch zur katholischen Sittenlehre. Viele Betroffene lebten daher "in dauernder Anspannung und Angst entdeckt zu werden und im schlimmsten Fall ihren Beruf zu verlieren, der für viele auch Berufung ist".

Denn statt den Beruf zu wechseln und aus der Kirche auszutreten, so die Doku, wollen die queeren Kirchenmitarbeiter die Institution verändern. Unter dem Motto "Wir sind hier und zwar so wie Gott uns schuf!", brechen sie das Schweigen. Und sie haben konkrete Anliegen: Die Initiative "#OutInChurch" fordert unter anderem, das kirchliche Arbeitsrecht zu ändern, die diffamierenden Aussagen der kirchlichen Lehre zu Sexualität zu revidieren und "dass die Kirche in Riten und Sakramenten sichtbar macht und feiert, dass LGBTIQ+-Personen und -Paare von Gott gesegnet sind".

Theo Schenkel (links), angehender Religionslehrer und Transmann, berichtet für die "Story im Ersten" aus seinem Klassenzimmer. (Bild: rbb/EyeOpeningMedia)
Theo Schenkel (links), angehender Religionslehrer und Transmann, berichtet für die "Story im Ersten" aus seinem Klassenzimmer. (Bild: rbb/EyeOpeningMedia)
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