Kaum noch Geld für Wohltätigkeit: New Yoker Pfarrer kassiert Millionengehalt

So leicht wird man ihn nicht los - Pfarrer James Cooper während der Predigt. (Bild: Screenshot Trinity Church)„Geben ist seliger denn nehmen“ - man sollte meinen, an diese neutestamentarische Weisung fühlen sich Pastoren besonders gebunden. Mit zunehmender räumlicher Nähe zur New Yorker Wallstreet scheint die Attraktion von Bescheidenheit und Entsagung jedoch zu verblassen – so steht laut der "New York Post" ein Pfarrer aus Manhattan derzeit in der Kritik, der seit seiner Berufung immer weniger für wohltätige Zwecke ausgegeben hat, obwohl seine anglikanische „Trinity“-Gemeinde zu den reichsten der USA zählt. Stattdessen plante er luxuriöse Immobilienprojekte und gönnte sich Bezüge in den Millionen. Kommende Woche möchte der Kirchenrat ihn loswerden – doch der Gottesmann ist widerspenstig.

Aufgrund ihrer prominenten Lage nahe der Wall Street wird die Trinity Church („Dreifaltigkeitskirche) in Manhattan gerne von Touristen besucht - man platzt kurz in die Gottesdienste und macht heimlich Fotos mit dem Handy. Ein langjähriges Gemeindemitglied war vergangenen Sommer allerdings doch reichlich entsetzt, als Pfarrer James Cooper im Gemeindebrief die Gäste im wahrsten Sinne des Wortes „eingemeindet“ hatte. Dort wurden 113 Gottesdienstbesucher aufgeführt, an einem Sonntag, an dem sie persönlich nur 49 gezählt hatte. Auf Nachfrage bei der Kirche erfuhr sie von einer neuen Zählweise, die Pfarrer Cooper eingeführt hatte. Aus Touristen wurden einfach Gottesdienstbesucher gemacht.

„Das ist die Art und Weise, wie James Cooper die Dinge darstellt“, beklagte das Gemeindemitglied und ehemalige Mitglied des Kirchenrats gegenüber der New York Post: „Ein bisschen Wahrheit ist schon dran, aber reichlich Unwahrheit drum herum.“ Doch die großzügige Auslegung seiner Besucherzahlen ist noch der geringste Vorwurf an den 67-jährigen Pastor. Dem Gemeinde-Hirten wird angelastet, die wohltätige Mission der Kirche seit seinem Amtsantritt 2004 beschädigt zu haben. Statt den Armen zu helfen, so die Kritik, helfe er lieber sich selbst.

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So hat sich der Luxus-Pfarrer in einer 5,5-Millionen-Dollar-Stadtwohnung im schicken Szeneviertel Soho auf Kirchenkosten einquartiert. Auch seine Wohnung in Florida lässt er sich bezuschussen. Seine Bezüge im Jahr 2010 summieren sich insgesamt auf rund 1,3 Millionen US-Dollar (etwa 980.000 Euro) - dazu kommen Urlaube in Afrika, Asien und Australien. Zum Vergleich: Für wohltätige Zwecke gab die Trinity Church unter seiner Ägide lediglich 2,7 Millionen Dollar jährlich aus – weit weniger als möglich gewesen wäre, so ein Ratsmitglied. Die Kirche verfügt über 14 Grundstücke in Manhattan und bezieht alleine dafür 200 Millionen US-Dollar an Miete.

Auch das Geschäftsgebaren des Gottesmannes wirkt wenig kirchlich. So plante Cooper den Bau einer Anlage mit Luxus-Eigentumswohnungen auf einem der Kirchengrundstücke. Rund fünf Millionen US-Dollar gab der selbsternannte "CEO" (Geschäftsführer) der Gemeinde für eine Anzeigenkampagne aus. Vergangenen Sommer gingen die Mätzchen dem Kirchenrat zu weit – die Mitglieder forderten Cooper zum Rücktritt auf. Er akzeptierte zwar zunächst, zog aber kurz darauf sein Rücktrittsangebot zurück. Aus Protest traten daraufhin mehrere Mitglieder des 22-köpfigen Kirchenrates zurück – die Neubesetzung wird am 10. April gewählt. Die Kritiker sehen sich strategisch im Hintertreffen – denn die Nachrücker sind Vertraute Coopers. „In der Trinity-Gemeinde passt inzwischen der Fuchs auf den Hühnerstall auf“, sagt ein ehemaliges  Mitglied des Kirchenrats. „Für die Hühner geht das selten gut aus.“

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