Kein Abnehmerfolg? Funktionelle Ernährung kann die Lösung sein

(eee/spot)
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Wenig zu essen führt nicht automatisch zum Gewichtsverlust. (Bild: Yuriy Maksymiv / Shutterstock.com)
Wenig zu essen führt nicht automatisch zum Gewichtsverlust. (Bild: Yuriy Maksymiv / Shutterstock.com)

Wenn Diäten nicht den gewünschten Erfolg zeigen, führt das häufig zu Frust. Was viele nicht wissen: Fehlfunktionen des Körpers können die Ursache dafür sein, dass das Gewicht nicht heruntergeht, die Fettverbrennung eingeschränkt ist und sich Verdauungsprobleme und Stimmungsschwankungen dazugesellen. Die funktionelle Ernährung kann helfen, weiß Sebastian Dietrich, Autor von "Funktionelle Ernährung" (Riva). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt der Sportwissenschaftler, worauf es dabei ankommt und warum es wichtig ist, dass der Körper während des Abnehmens funktioniert.

Oft ist der Frust beim Abnehmen groß, weil das Gewicht einfach nicht heruntergeht. Was können die Ursachen sein?

Sebastian Dietrich: Frust entsteht sehr häufig dadurch, dass man sich am Kaloriengleichgewicht orientiert, sprich wenn man sich erhofft abzunehmen, indem man mehr Kalorien verbraucht als man aufnimmt. Das funktioniert jedoch häufig nicht. Die Ursache ist meistens in den wichtigsten Körperfunktionen zu finden. Wenn beispielsweise der Darm nicht funktioniert, können Nährstoffe schlechter aufgenommen werden und ein Nährstoffmangel ist die Folge.

Wenn dem Körper aber lebensnotwendige Vital- und Mineralstoffe fehlen, können seine Funktionen, wie beispielsweise der Stoffwechsel und die Fettverbrennung nur bedingt funktionieren. Auch Stress wirkt sich negativ auf die Darmfunktion aus, aber auch auf die Produktion von Sexualhormonen und die Schilddrüse. Als Folge kann dann nicht nur die Fettverbrennung eingeschränkt sein, sondern auch viele andere Funktionen des Körpers.

Fehlfunktionen wie Verdauungsprobleme durch Gluten oder Laktose kommen immer häufiger vor - warum?

Dietrich: Das Problem liegt zum einen an der Menge an Gluten und Milch, die wir uns tagtäglich verabreichen, zudem aber auch an unserem Lifestyle. Denn meistens gibt es morgens Brot, mittags Pasta und abends Pizza, Burger, Brot oder Schnitzel und zwischendurch glutenhaltige Snacks. Diese Menge an Gluten ist zu viel für unsere Därme, denn Gluten und Laktose sind stark entzündungsförderlich. Ein stressiger Lifestyle tut dann noch sein Übriges, denn Stress und Verdauen funktioniert nicht gleichzeitig. Das leidtragende Organ ist dann der Darm, der folglich "durchlässig" werden kann.

Eine funktionelle Ernährung kann bei Fehlfunktionen im Körper helfen. Was genau steckt dahinter?

Dietrich: Das Ziel der funktionellen Ernährung ist keine stringente Diät. Vielmehr ist das Ziel eine ausgewogene Ernährungsweise, die die Körperfunktionen unterstützt. Durch eine individualisierte Ernährungs- und Supplementierungsstrategie will man die körpereigenen Systeme wieder ins Gleichgewicht bringen. Die wichtigsten Funktionen sind dabei das Verdauungssystem, das Hormonsystem und die Entgiftungssysteme.

Worauf muss man dabei achten?

Dietrich: Man findet zuallererst heraus, welche Funktionen nicht optimal ablaufen. Das kann man sehr schnell über Anamnesen herausfinden oder über Symptome. In meinem Buch gibt es dazu Selbsttests, über die man sehr schnell sein Profil erstellen kann. Anhand dessen kann man seine individuelle Ernährungsstrategie entwickeln. Viele Menschen wissen aber selbst, ob die Verdauung stockt, dass der Zyklus gestört ist, dass eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt oder ob die Libido am Boden ist. Dann geht es darum, die Systeme wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Viel entscheidender als die Auswahl der Lebensmittel in der funktionellen Ernährung ist die Qualität der Lebensmittel, denn die sind häufig maßgeblich belastet. Wir setzen vor allem auf biologisch, regional und saisonal. Wichtig ist es, belastete Lebensmittel zu meiden und den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Studien zeigen, dass manche Lebensmittel schon bestimmte Nährstoffe gar nicht mehr aufweisen, wo sie noch vor Jahren zu finden waren. Andere sind deutlich geringer konzentriert.


In seinem neuesten Buch "Funktionelle Ernährung" beschäftigt sich Sebastian Dietrich mit Fehlfunktionen im Körper. (Bild: Riva Verlag)
In seinem neuesten Buch "Funktionelle Ernährung" beschäftigt sich Sebastian Dietrich mit Fehlfunktionen im Körper. (Bild: Riva Verlag)

Inwieweit hilft funktionelle Ernährung beim Abnehmen?

Dietrich: Indem der Körper wieder in Balance gebracht wird, funktioniert der gesamte Organismus deutlich effizienter. Durch eine Verbesserung der Verdauung werden Nährstoffe wieder besser ins System transportiert und die Körperfunktionen können wieder reibungslos ablaufen. Das Hormonsystem kommt dann wieder ins Gleichgewicht und die Hormone können ihre Wirkung entfalten. Der Stoffwechsel kann dann auch wieder Fahrt aufnehmen und die Fettverbrennung auf Hochtouren laufen. Das ist in den meisten Fällen aber nur der positive Beigeschmack und kommt dann ganz von allein. Das große Ziel ist eine langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Hilft funktionelle Ernährung auch dabei, das Gewicht zu halten?

Dietrich: Der Körper findet durch die funktionelle Ernährung irgendwann sein Optimalgewicht. Ich denke ein Mönchsleben ist nicht für jeden sinnvoll, demnach sollte man sich auch mal was gönnen. Das Stichwort ist aber Bewusstsein. Durch die funktionelle Ernährung schärft man sein Bewusstsein, wodurch man sein Ernährungsverhalten deutlich besser in den Griff bekommt.

Die funktionelle Ernährung ist auch auf andere Funktionen des Körpers anzuwenden, wie zum Beispiel das Energiesystem, das Neurotransmittersystem und auch auf unseren Schlaf. Wer zum Beispiel Gewicht zulegen möchte, kann sich in der funktionellen Ernährung an den Systemen orientieren, die den Muskelaufbau unterstützen. Wer besser schlafen möchte, kann auch das durch funktionelle Ernährung erreichen. Schlaf ist übrigens maßgeblich für die Fettverbrennung. Studien zeigen zum Beispiel, dass ein Schlafdefizit zu einer fünf- bis zwanzigprozentigen Einschränkung der Fettverbrennung führt.