"Kein freies Land": Dänisches Kamerateam in Katar bei Dreharbeiten behindert

Am Sonntag beginnt in Katar die Fußball-Weltmeisterschaft, nur wenige Tage zuvor gibt es einen Presse-Skandal: Ein dänisches Kamerateam wurde während einer Live-Schalte gestört, Sicherheitskräfte drohten gar damit, die Kamera zu zerstören.

In Katar wurde ein dänisches Kamerateam bei einer Live-Schalte behindert (Symbolbild vom Beach-Fußball in Doha 2019). (Bild: Mark Runnacles / Getty Images for ANOC)
In Katar wurde ein dänisches Kamerateam bei einer Live-Schalte behindert (Symbolbild vom Beach-Fußball in Doha 2019). (Bild: Mark Runnacles / Getty Images for ANOC)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wurde immer wieder die Frage aufgeworfen, wie frei Journalistinnen und Journalisten im Gastgeberland ihrem Beruf nachgehen können. Aus Dänemark kommen bezüglich der Pressefreiheit in Katar beunruhigende Nachrichten: Nach Informationen der "Bild" wurde ein dänisches Kamerateam während einer Live-Schalte ins Heimatland am Drehen gehindert. Katarische Sicherheitskräfte haben demnach das Kamera-Objektiv zugehalten, sogar die Drohung, die Kamera zu zerstören wurde ausgesprochen.

"Sie haben die ganze Welt hierher eingeladen. Warum dürfen wir nicht filmen? Es ist ein öffentlicher Ort", fragte der betroffene Reporter Rasmus Tantholdt. Der Mitarbeiter des dänischen Senders TV2 reagierte offenbar besonnen, sowohl seine Akkreditierung als auch seine Drehgenehmigung wurden laut "Bild" vorgelegt. Daraufhin folgte die Drohung, bei Zuwiderhandlung gegen die Anweisungen die Kamera kaputtzumachen. Daraufhin wurde auch Tantholdt wütend: "Sie können die Kamera zerstören. Sie wollen sie zerstören? Dann nur zu", ärgerte sich der dänische Reporter. "Ihr bedroht uns, dass ihr die Kamera zerstört."

"Katar ist kein demokratisches Land"

Immerhin schien daraufhin eine Entschuldigung gefolgt zu sein. Dies berichtete Tantholdt wenig später in einer Schalte zum norwegischen Sender NRK. So hätte das katarische Büro für internationale Medien sowie der Oberste Gerichtshof inzwischen um Verzeihung gebeten. Der TV-Mann erklärte allerdings, dass der Vorfall um die Sicherheitskräfte ihm Sorge bereite.

"Ich glaube nicht, dass die Botschaft von oben in Katar alle Sicherheitsbeamten erreicht hat", führte Tantholdt aus. "Daher kann man argumentieren, dass einige die Situation falsch verstanden haben, aber gleichzeitig sagt es auch viel darüber aus, wie es in Katar aussieht." Sein düsteres Fazit über den WM-Gastgeber: "Es ist so, dass man angegriffen und bedroht werden kann, wenn man als freies Medium berichtet. Dies ist kein freies und demokratisches Land."

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