Kein Held, nur töricht: Miniserie über die traurige Rolle des ehemaligen FBI-Chefs James Comey

Andreas Fischer
·Lesedauer: 3 Min.

Mit viel Pathos zeigt Sky in "The Comey Rule", wie der ehemalige FBI-Direktor Donald Trump eine Bühne bereitete.

Was wäre gewesen, wenn James Comey (Jeff Daniels) nicht so stur auf seine Prinzipen bestanden hätte? Wenn er sich nicht selbstgerecht und töricht als letzten Hüter der Integrität seiner Behörde verstanden hätte? Wenn der damalige FBI-Chef nicht eine Woche vor der Wahl 2016 öffentlich bekannt gemacht hätte, dass die Ermittlungen in der Pseudoaffäre um die dienstlichen E-Mails von Hillary Clinton wieder aufgenommen werden?

Die Spekulationen darüber sind müßig, aber am 2. November - einen Abend vor der US-Präsidentschaftswahl - zeigt Sky die beiden Teile des Fernsehfilms "The Comey Rule". Basierend auf Comeys Memoiren "A Higher Loyalty" (deutscher Titel: "Größer als das Amt") rekonstruiert das TV-Ereignis zunächst die Ereignisse im Wahlkampf 2016, bevor es sich zu einem realen Horrorfilm über den vermeintlich mächtigsten Mann der Welt verdichtet, der in einem Thriller im Thriller kumuliert.

Trotz seines exzellenten und engagierten Ensembles, das es schafft, die realen Vorbilder nicht ins Lächerliche zu ziehen: Ein guter Film ist der Zweiteiler nicht. Dafür ist "The Comey Rule" zu einseitig, zu pathetisch, zu naiv. Interessant sind die fast vier Fernsehstunden trotzdem. Weil sie zeigen, von welchen Unwägbarkeiten die Präsidentschaftswahlen in den USA abhängen können - und wie zerbrechlich eine Demokratie selbst dann ist, wenn ihre innersten Werte mit Inbrunst verteidigt werden.

Ein Desaster für die Ewigkeit

Comey mag ein guter Mann gewesen sein, einer der an die Ideale glaubte, für die das FBI stand, einer der bereit war, für all jene Werte einzustehen, die andere einfach wegtwittern. Was ihm allerdings fehlte, war politischer Instinkt: Comey war geradezu verbohrt in seiner Geradlinigkeit. Dabei hat er es mit seiner Prinzipienreiterei nur gut gemeint, was in seinem Fall allerdings heißt: Das Desaster ist bis heute spürbar.

Der Film begleitet Comey beginnend beim Vorstellungsgespräch bei Barack Obama und einer kurzen, aber nachhaltig im Gedächtnis bleibenden Amtsübergabe von Comeys Vorgänger Robert Mueller (Peter Coyote), der dann später die Russland-Ermittlungen leiten würde. Ein großer Teil des Films spielt im Situation Room des FBI: Dort wo die Führungsriege all die Dinge diskutiert, die einem noch im Gedächtnis sind: die E-Mail-Affäre, die ersten Verdachtsmomente einer russischen Einflussnahme auf den Wahlkampf, merkwürdige Geschäftsbeziehungen Trumps zu Russland. Es ist die Zeit von "Grab 'em by the pussy" und dem Anschlag auf den Schwulenclub in Orlando.

So beklemmend diese Szenen sind, sie sind nur das Vorspiel, inszeniert als Kammerspiel, in dem sich der unbelehrbare Comey unter anderem mit seinem Vize Andrew McCabe, ironischerweise gespielt von Michael Kelly, der für Frank Underwood in von "House of Cards" über Leichen ging, die Bälle zuspielt, um die Integrität des FBI zu verteidigen.

Die Frauen sehen klarer

Was den Männern dabei entgeht, ist für die Frauen offensichtlicher. FBI-Anwältin Trisha Anderson (Amy Seimetz) bringt es auf den Punkt: Die große Wahrheit da draußen, sagt sie, sie besteht aus vielen kleinen Wahrheiten.

Was Comeys selektive Ehrlichkeit - die Öffentlichkeit über Clintons E-Mail-Affäre zu informieren, über die Russland-Ermittlungen gegen Trumps Team hingegen nicht - angerichtet hat, lässt sich am Ende des ersten Teils im Gesicht seiner Ehefrau (Jennifer Ehle) ziemlich gut ablesen. Aber erst wer Holly Hunter als Vizejustizministerin Sally Yates leiden sieht, der weiß, wie schlimm es wirklich wurde, nachdem Donald Trump (Brendan Gleeson) ins Weiße Haus einzog und Boshaftigkeit, Lügen und Drohungen salonfähig machte.

Der Präsident hatte den FBI-Direktor kurz nach seinem Amtsantritt zu einem Dinner für zwei geladen, bei dem er unbedingte Loyalität einforderte. Im Film werden daraus acht Minuten im Halbschatten des Weißen Hauses, nach denen man glaubt, es könne nicht schlimmer kommen. Seitdem sind vier Jahre ins Land gegangen. Viele sagen: Es wurde schlimmer.