Keine Betten: Bericht aus Notaufnahme in den USA geht auf Tiktok viral

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Die Coronavirus-Pandemie und die hochansteckende Omikron-Variante sorgen für steigende Infektionszahlen in den USA. Das bedeutet auch mehr Einlieferungen in Krankenhäusern. Eine Krankenpflegerin hat sich kürzlich Luft gemacht.

In manchen Krankenhäusern in den USA sind alle Zimmer und Betten der Notaufnahmen belegt. Teilweise müssen Patient*innen auf Tragen in den Gängen versorgt werden. (Bild: Reuters / Mike Blake)
In manchen Krankenhäusern in den USA sind alle Zimmer und Betten der Notaufnahmen belegt. Teilweise müssen Patient*innen auf Tragen in den Gängen versorgt werden. (Bild: Reuters / Mike Blake)

„Ich wünschte mir, mehr Menschen ohne medizinischen Hintergrund würden verstehen, was die Quote an Covid-Überlebenden nach einer Behandlung im Krankenhaus wirklich bedeutet.“ Damit beginnt ein virales Tiktok, das bereits über zehn Millionen Mal angeklickt wurde.

Frust wegen Überlastung

Gesagt hat das Alexis Hinkley, die Tiktokerin postet regelmäßig Videos zu gesundheitspolitischen und medizinischen Themen. Sie arbeitet als Pflegerin auf einer Notaufnahme im US-Bundesstaat Colorado, so erklärt sich auch ihr Username: „travelingnurse“.

In ihrem viralen Tiktok spricht sie über die Versorgung von Covid-Patient*innen, wie überlastet das Krankenhaus, in dem sie arbeitet, mit der Pandemie ist und welche Folgen die daraus resultierende aufwendige medizinische Arbeit für Patient*innen mit anderen Krankheiten mit sich bringt.

Viel Arbeit für Covid-Patient*innen

Zentral: Wegen des immensen Patienten*innen-Aufkommens gibt einfach keine Betten mehr. „Keine Betten, bedeutet keine Betten. Kein Bett für Patient*innen mit Schlaganfällen. Kein Bett für Patient*innen mit Herzinfarkten. Kein Bett für Patient*innen nach einem Autounfall. Kein Bett für eure kranken Kinder“, sagt Hinkley, die für das Video in einem Auto sitzt und direkt in eine Handykamera spricht. „Ihr denkt wahrscheinlich, die Überlebenschancen nach einer Covid-Infektion sind super. Aber wie denkt ihr über eure Überlebenschance nach einem schweren Schlaganfall, wenn wir euch nicht aufnehmen oder das notwendige Medikament verabreichen können, weil unsere und alle anderen Notaufnahmen in der Nähe überfüllt sind? Findet ihre diese Chancen auch super? Ich wette, dass ihr das verdammt nochmal nicht tut.“

Dann erzählt die Krankenpflegerin von ihren Erfahrungen in der bisherigen Pandemie: Der vergangene Januar etwa sei mit die schlimmste Zeit gewesen, die sie je erlebt habe. Damals seien pro Tag landesweit etwa 3.000 Menschen verstorben. Für diesen Februar rechne sie noch mit einer Steigerung, es könnten dann bis zu 10.000 Menschen ihr Leben lassen.

Infektionen steigen, nicht aber die Toten

Ob sich diese Prognose bewahrheitet, ist derzeit aber eher unwahrscheinlich. Zwar schnellen die Infektionszahlen in den USA in die Höhe, Tote verzeichnet die Johns-Hopkins-Universität in ihrem „Resource Center“ aber vergleichsweise wenige. Seit dem 21. Januar waren es täglich unter 600. Die Statistik zeichnet derzeit auch keine überproportionale Entwicklung, verglichen mit dem vergangenen Januar, voraus.

Trotzdem ist die eindringliche Bitte, die Hinkley am Ende ihres Videos formuliert, nachvollziehbar. Denn jeder Patient und jede Patientin mit Covid erfordert sehr viel Arbeit, um das Überleben zu sichern: „Bitte, bitte hört endlich auf das medizinische Personal im ganzen Land und helft uns in dieser Pandemie.“

Video als Hilferuf

Das Video habe die Intensivschwester nach einer sehr harten Schicht aufgenommen, wie sie kürzlich im Interview mit Buzzfeed erklärte. Sie habe damals sehr viele Patient*innen als Notfall versorgen müssen, dazu hätten die Zimmer nicht mehr ausgereicht, weshalb über 30 Menschen auf Betten und Tragen in den Fluren versorgt werden mussten. „Wir haben zu wenig Betten, zu wenig Personal, zu wenig von allem. Einmal sind wir durch den Flur der Notaufnahme gerannt, um einen kollabierten Patienten zu retten. Dabei sind wir ständig an den Tragen mit Patient*innen und Familienangehörigen hängen geblieben. Nie, nie, nie sollten Patient*innen in einem Flur eines Krankenhauses sitzen müssen. Schon gar nicht in einem der reichsten Länder der Welt. Es fühlt sich eigentlich so falsch, das überhaupt sagen zu müssen.“

Sie wolle ihr Tiktok-Video deshalb als eine Art Hilferuf verstanden wissen.

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