Keine Plantage mehr: Rhode Island stimmt für Namenswechsel

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

In Rhode Island konnten die Bewohner nicht nur über einen neuen Präsidenten, sondern auch über den umstrittenen Namen ihres Staates abstimmen. Sie entschieden sich für eine Umbenennung.

Rhode Islands Staatsmotto ist "Hope" - Hoffnung. Die auf eine Abschaffung des belasteten Namens hat sich nun erfüllt. (Symbolfoto: Getty)
Rhode Islands Staatsmotto ist "Hope" - Hoffnung. Die auf eine Abschaffung des belasteten Namens hat sich nun erfüllt. (Symbolfoto: Getty)

Der flächenmäßig kleinste US-Bundesstaat hatte bislang gleichzeitig den längsten Namen. Offiziell hieß der Staat mit nur etwa einer Million Einwohnern “Rhode Island and Providence Plantations”. Auch wenn die meisten Menschen schlicht Rhode Island sagen, spiegelt sich im zweiten Teil des Staatsnamen die Geschichte der Sklaverei in den USA wider. Aus diesem Grund hatte Senator Harold Metts eine mögliche Namensänderung mit in die Wahlunterlagen zur Präsidentschaftswahl aufnehmen lassen.

Metts ist der einzige schwarze Senator aus Rhode Island. In den Nachwirkungen des Mordes an George Floyd im Mai war es überall im Land zu antirassistischen Demonstrationen gekommen. Floyds Tod hatte weltweit eine Debatte um systematischen Rassismus in all seinen Aspekten angestoßen, so auch bei dem Namen des Bundesstaates. Metts bezeichnete den Begriff “Plantations” (Plantagen) als “sehr schmerzhaft für so viele von uns”, weil er an die Vergangenheit der Sklaverei erinnere. Der kleine Gründer-Staat hatte tatsächlich eine große Rolle im Sklavenhandel gespielt, indem aus seinen Häfen mehr als 1000 Schiffe über den Atlantik geschickt wurden, um Sklaven aus Westafrika in die USA zu bringen.

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53 Prozent stimmen für den Namenswechsel

Während die Präsidentschaftswahl auch zwei Tage danach noch immer nicht abschließend ausgezählt ist, war die Abstimmung über die Namensänderung knapp aber eindeutig. Nach dem bisherigen Stand haben etwa 53 Prozent der Rhode Islander für den Vorschlag gestimmt. Der Zusatz “and Providence Plantations” wird zukünftig gestrichen.

Der Wechsel hatte sich bereits angedeutet, als die demokratische Gouverneurin Gina Raimondo im Juni entschied, alle offiziellen Dokumente nur noch mit der Beschriftung “State of Rhode Island” zu versehen. Raimondo tweetete damals dazu: “Unsere Arbeit, um strukturellen Rassismus in Rhode Island abzuschaffen, hat heute nicht begonnen und endet nicht heute. Aber wir können zusammen aufstehen und bedeutenden Fortschritt hin zur Gerechtigkeit einleiten.”

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Auch zuvor hatte es schon Versuche gegeben, den zweiten Teil des Namens zu streichen. Doch noch im Jahr 2010 hatte sich eine klare Mehrheit von 78 Prozent der Wählern gegen eine Namensänderung entschieden. Im zweiten Anlauf gelang der Wechsel weg von der belasteten Vergangenheit nun dank der Initiative von Senator Metts. In den kommenden Wochen sollen bereits Schilder und Aufschriften an öffentlichen Gebäuden angepasst werden.

Die Flagge des US-Staats Mississippi wird demnächst geändert. (Bild: Getty Images)
Die Flagge des US-Staats Mississippi wird demnächst geändert. (Bild: Getty Images)

Mississippi ändert die Staats-Flagge

Auch im US-Bundesstaat Mississippi gab es eine Abstimmung über umstrittene geschichtsträchtige Symbole. Die Wähler stimmten dort für eine neue Staats-Flagge. Mississippi war der letzte US-Staat, dessen offizielle Flagge die Fahne der Konföderierten Südstaaten zeigte. 2001 war schon einmal über eine Abschaffung des belasteten Symbols abgestimmt worden, damals hatten sich die Wähler gegen eine Änderung entschieden. Künftig wird die neue Flagge eine Magnolie, die Staatsblume von Mississippi, vor dunkelblauem und rotem Hintergrund zeigen. Darunter das Motto: “In God we trust”.

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