Kernfusion lässt auf sich warten: Baumängel verzögern erneut Zeitplan von ITER

Es ist ein erneuter Rückschlag für den heiß erwarteten Versuchs-Kernfusionsreaktor ITER. Beim Bau des internationalen Prestigeprojekts im südfranzösischen Cadarache sind große Verzögerungen zu erwarten.

"Wir haben zwei Probleme" gab der neue Generaldirektor, der Italiener Pietro Barabaschi bekannt. Zudem wurden Abweichungen von bis zu zwei Zentimetern bei den Teilen entdeckt, die miteinander verschweißt werden müssen, um die "Vakuumkammer" zu bilden, in der die Fusionsreaktion stattfinden soll.

Korrosionsspuren an den "Hitzeschilden"

Drei dieser Segmente, die bereits auf dem Iter-Gelände in Saint-Paul-les-Durance in der Provence (Südfrankreich) angekommen sind, sind betroffen. Eines der Segmente wurde sogar schon in der Grube installiert, in der das Experiment stattfinden soll, und müsse wieder entfernt werden.

Der zweite Fehler, der festgestellt wurde, sind Korrosionsspuren an den "Hitzeschilden", die vor der sehr hohen Hitzeentwicklung bei der Fusion schützen sollen. Dies könnte dazu führen, dass das im Kühlkreislauf verwendete Helium austritt.

Die Lösung dieser Probleme, könnte Monate vielleicht oder sogar einige Jahre dauern . Dies werde auch finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen.

Moskau lieferte Riesenmagneten für ITER

Vor der jüngsten Panne war anvisiert, dass der Kernfusionsreaktor 2025 wie eine kleine Sonne sein erstes Plasma erzeugt und bis 2035 die volle Leistung erreicht. Dieses Ziel dürfte sich nun wohl um Einiges verspäten.

Auf der Kernfusion ruhen große Hoffnungen. Mit dem großen Energiepotenzial könnte künftig klimaneutral und sicher Strom erzeugt werden.

Das ITER-Projekt hat sieben Partner: die Europäische Union, Japan, USA, Südkorea, Indien, Russland und China. Die EU und Frankreich stellen 45% der Finanzierung bereit.

ITER ist eines der letzten internationalen Wissenschaftsprojekte, an denen Moskau trotz des Ukraine-Konflikts noch beteiligt ist. Erst im vergangenen November liefert Russland einen Riesenmagneten für den Fusionsreaktor