Kia-Designchef Peter Schreyer im Interview

feedback@motor1.com (Roland Hildebrandt)
Kia: Peter Schreyer im Interview

Der neue ProCeed, Elektroautos und die Zukunft der Marke aus Designersicht

Der neue Kia ProCeed zählte zu den Highlights auf dem Pariser Autosalon 2018. Dort hatten wir die Gelegenheit, mit Kia-Designchef Peter Schreyer zu sprechen. Im Interview mit Motor1.com Deutschland erzählt er, wie es zum neuen ProCeed kam. Weitere Themen: Das Design von Elektroautos, persönliche Lieblingsentwürfe und die Zukunft der Marke Kia.

Motor1.com Deutschland: Welche Überlegungen lagen dem Design des neuen Kia ProCeed zugrunde?

Schreyer: Wir haben ja eine erfolgreiche Ceed-Familie. Seit zwei Generationen gibt es einen ProCeed, der immer ein Dreitürer und vom Design her recht erfolgreich war. Die zweite Generation wurde beim Red Dot Award als „Best of the Best“ ausgezeichnet, was wirklich etwas Besonderes ist. Trotzdem haben wir festgestellt, dass Dreitürer immer weniger gefragt sind. Das ging bis hin zu Überlegungen, dass wir keinen ProCeed mehr machen. Wir haben uns dann im Design überlegt, ein Auto zu verwirklichen, welches ein wirklich neuer ProCeed ist. Mein Auftrag an die Designer war, innovative Ideen zu kreieren. Relativ schnell haben wir uns dann auf das fixiert, was wir jetzt haben: eine Art fünftüriges Shooting Brake-Coupé. Wobei wir am Anfang nicht den Auftrag hatten: „Macht bitte einen Shooting Brake.“ Vielmehr war es ein fließender Prozess mit vielen Präsentationen und Brainstormings, in denen sich die Idee herauskristallisiert hat. Das Resultat haben wir dann in Südkorea vorgestellt und waren sehr erfolgreich damit, sodass das Auto gebaut werden konnte. Taten zählen häufig mehr als Worte.

 

Motor1.com Deutschland: Können Sie uns die aktuelle Kia-Designsprache kurz erläutern?

Schreyer: Zwar gibt es strenggenommen keine gerade Linie an einem Auto, aber die Devise für Kia lautet „The simplicity of the straight line“, also eine Art der Einfachheit. Es ist eine europäisch saubere Formensprache, die wir haben und fortführen. Wichtig sind für uns gute Proportionen, wie man auch am neuen Kia ProCeed wunderbar sieht. Kia als Marke ist der „Youthful Challenger“, also der frische jugendliche Herausforderer. Das gilt sowohl innerhalb des Konzerns, als auch nach außen. Deshalb machen wir manchmal Dinge, die man nicht erwarten würde und die einen gewissen Einfluss auf andere haben. Unsere Designsprache entwickeln wir nach dem Prinzip der „Dynamic Purity“ weiter, sodass unsere Autos sowohl dynamisch, als auch pur auftreten.

 

Motor1.com Deutschland: Wie wird sich Design bei Elektroautos ändern?

Schreyer: Das kommt darauf an, ob das Auto ein reines Elektroauto ist. Dann hat man natürlich mehr Möglichkeiten, an Proportionen, aber dank eines flachen Bodens auch am Innenraum zu arbeiten. Man kann dann eine ganz andere Atmosphäre und eine andere Raumökonomie schaffen. Für mich geht es nicht darum, ob man im Exterieur irgendwelche spektakulären Linien an einem Elektroauto hat, die es von anderen Fahrzeugen unterscheidet. Sondern es geht immer noch um gutes, sauberes Design, das ansprechend für potenzielle Kunden ist. Aber: Ein Fortschritt im Design geht immer nur mit einem Fortschritt in der Technologie einher. Neue Einflüsse bringen uns daher auch im Design weiter.

 

Motor1.com Deutschland: Was ist ihr persönlicher Lieblingsentwurf der letzten Jahre?

Schreyer: Das ist schwer zu sagen. Wenn man den ersten oder zweiten Sportage und den Optima anschaut, so sind das Autos, die schon sehr früh gezeigt haben, wo wir hinwollen. Aktuell natürlich auch der Stinger, aber Sportage und Optima haben dafür den Grundstein gelegt. Beide waren mit Blick auf die Autos, die wir zu der Zeit hatten, der größte Schritt nach vorne.

 

Motor1.com Deutschland: Wo sehen Sie die Marke Kia in fünf Jahren?

Schreyer: Sehr erfolgreich mit vielen verschiedenen Antriebskonzepten und neuen Technologien. Ich würde Kia weiterhin als Herausforderer-Marke sehen. Die Frische und Agilität, die diese Firma hat, möchte ich gerne weiterentwickeln.