Kiew: Noch mehr als tausend ukrainische Soldaten im Asow-Stahlwerk

Blick auf das Asow-Stahlwerk (AFP/Andrey BORODULIN) (Andrey BORODULIN)

In dem von russischen Truppen belagerten Industriekomplex Asow-Stahl in Mariupol befinden sich nach Angaben der ukrainischen Regierung noch mehr als tausend ukrainische Soldaten. "Hunderte sind verletzt", sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Einige der Soldaten seien "schwer verletzt" und müssten "dringend" aus dem Stahlwerk herausgeholt werden, sagte Wereschtschuk. "Die Situation verschlimmert sich täglich."

Sie wies zudem Angaben von zwei örtlichen Behördenvertretern zurück, wonach sich noch rund hundert Zivilisten in dem Werk aufhalten sollen. "Das stimmt nicht", sagte sie. Der Chef des Asow-Regiments habe gegenüber ukrainischen Regierungsvertretern und einem UN-Vertreter "offziell erklärt", dass "kein Zivilist, keine Frau, kein Kind oder alter Mensch mehr in Asow-Stahl ist".

Das Asow-Stahlwerk ist die letzte Bastion des ukrainischen Militärs im zerstörten Mariupol. In dem weitläufigen Industriekomplex mit vielen unterirdischen Anlagen hatten sich nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine über mehrere Wochen auch hunderte Zivilisten verschanzt. Am Wochenende teilte Wereschtschuk nach einer Reihe von Evakuierungsaktionen dann mit, alle "Frauen, Kinder und älteren Zivilisten" seien aus dem Komplex herausgeholt worden.

Die Vize-Regierungschefin appellierte am Dienstag an alle internationalen Organisationen, den Druck auf Russland zu erhöhen, damit es die Evakuierung von Schwerverletzten und nicht zum Militär gehörendem medizinischen Personal zulasse sowie von anderen "Menschen, die nach der Genfer Konvention keine Kämpfer sind".

Die Türkei sei "bereit", Evakuierungsmaßnahmen im Asow-Stahlwerk vom Meer aus zu unterstützen, sagte Wereschtschuk. Dies könne angesichts der vielen im Werk verbliebenen Menschen "rund eine Woche" dauern. Es müsse "Vereinbarungen und Garantien geben, dass Russland nicht anfängt zu schießen", sagt sie.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak hatte am Sonntag mit Blick auf das Asow-Stahlwerk in Online-Netzwerken erklärt, Kiew werde "nicht aufhören, bis wir alle unsere Leute herausholen".

Das Stahlwerk in Mariupol hat eine symbolische Bedeutung bekommen mit Blick auf den Kriegsverlauf. Die endgültige Einnahme der südukrainischen Hafenstadt mit einst mehr als 400.000 Einwohnern wäre ein strategisch wichtiger Sieg für die russische Armee, da sie Russland die Herstellung einer direkten Landverbindung zur annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ermöglichen würde.

ck/cp

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