#Killfie: Warum riskieren Influencer für das perfekte Bild ihr Leben?

Antonia Wallner
Freie Autorin

Als Influencer ist man ständig auf der Jagd – nach dem perfekten Moment, dem atemberaubenden Foto, das die Follower sprachlos auf “Gefällt mir“ klicken lässt. Natur allein reicht da schon lange nicht mehr. Extreme Selfies müssen es sein, um den “Kick“ auf ein Bild zu bannen. Der Preis? Manchmal das eigene Leben.

Selfies werden immer gefährlicher. Der Trend geht zum “Killfie“. (Symbolbild: Getty Images)

259 Todesfälle von 2011 bis 2017. Das ist die traurige Bilanz einer indischen Studie, die weltweit Medienberichte zu Selfie-Unfällen sammelte und auswertete. Die Forscher sprechen dabei nur von der “Spitze des Eisbergs“ mit einer Dunkelziffer, die noch weit höher liegt. Das Thema ist längst in den Medien angekommen und wird immer wieder heiß diskutiert. In der Hoffnung, dass sich Influencer und Social-Media-Nutzer mehr von der Vernunft als von Klick-Zahlen leiten lassen.

Vom Selfie zum Killfie

Doch der Trend zum “Killfie“ hält weiter an. Und es sind Beispiele wie dieses Bild, die die Latte zum ultimativen Wow-Post wieder ein Stück höher hängen:

 

Das amerikanische Blogger-Paar “Kelly & Kody“ hat auf seinem Instagram-Kanal #Positravelty über 70.000 Follower. Das Bild von Kelly, die über einem Infinity-Pool in Bali hängt während sie ihren Kody küsst, löste trotz seiner 22.490 Likes eine Flutwelle der Empörung in den Kommentaren aus. Da half auch der Text unter dem Foto nichts:

“Unsere größte Stärke im Leben und eine unserer wichtigsten Prinzipien ist unser Urteilsvermögen. Nur du kennst deinen Körper, kannst den Raum um dich spüren und kennst deine Fähigkeiten. Behaltet dennoch im Hinterkopf, dass nicht jede Aktion, Style oder Weg , den ihr bei anderen seht, nachgeahmt werden sollte. Am Ende des Tages sind wir selbst für unsere Entscheidungen verantwortlich.”

Auf alles vorbereitet: Die besten Smartphone-Accessoires für die Reise

Nutzer kritisierten dennoch den “lebensgefährlichen“ Shoot und nennen das Paar “unverantwortlich“. Die beiden Blogger verteidigten daraufhin ihr Foto, behaupteten sie hätten “super vorsichtig“ agiert und Kelly wäre “zu keiner Zeit in Gefahr gewesen“. Die Kritik hielt weiter an. Ein Nutzer spricht aus, was sich viele bei einem Post wie diesem denken, mag er noch so spektakulär sein: “Ist es so wichtig für eine solche Aufnahme sein Leben zu riskieren? Das ist einfach nur dumm.”

“Ist unser Leben ein einzelnes Foto wert?“

Bilder aus großer Höhe sind ein beliebtes Motiv von extremen Selfies. Das Blogger-Paar #holidaysandhappilyeverafters stellte im März 2018 die gleiche Frage wie der Nutzer bei Positravelty: “Ist unser Leben ein einzelnes Foto wert?“ In ihrem Text warnen die Blogger davor, sich unverantwortlich in gefährliche Situationen zu begeben. Dazu passend dieses Bild vom Grand Canyon:

 

Doch Meenakshi Moorthy und Vishnu Viswanath ignorierten ihren eigenen Ratschlag – und bezahlten die Jagd nach dem perfekten Shoot mit ihrem Leben. Ironie des Schicksals. Im Oktober 2018 wurde das indische Paar tot im Yosemite National Park gefunden. Sie wollten an dem berühmten Felsvorsprung “Taft Point“ einen spektakulären Wow-Moment einfangen – und stürzten rund 240 Meter in die Tiefe.

Warum schreitet Instagram nicht ein?

Betrachtet man die zahlreichen Selfie-Todesfälle und scrollt sich auf Instagram durch die Bilder von Menschen auf Hochhäusern, am Rande von Klippen und mit Wasserfällen im Hintergrund, fragt man sich, warum das soziale Netzwerk eigentlich nichts dagegen tut. Schließlich ging Instagram bereits 2017 gegen die wachsende Zahl exotischer Tier-Selfies vor und versah Hashtags wie etwa #affenliebe mit einer Warnung vor Tierquälerei.

Social-Media-Hit: Hamish, der herrenlose Hund aus dem Zug

Zwar wurden dem Nutzer die Bilder trotzdem angezeigt, aber immerhin war er zu einer Pause gezwungen, bevor er leichtfertig einen Like setzte. Wäre eine ähnliche Warnung nicht auch bei Killfies möglich? Das Problem sind hier wahrscheinlich die Hashtags. Zwar gibt es den Tag #extremeselfie in der Suchfunktion, aber ansonsten könnte es für Instagram schwer werden, solche Bilder überhaupt zu tracken. Denn kein Influencer versieht sein mühsam geschossenes, perfektes Bild mit dem ehrlichen tag #lebensgefahr.

VIDEO: Weibliche Social Media Stars im Irak