Kinderärzte fordern Sozialstunden für "Komatrinker"

Ärzteverband und Kinderschützer gegen Eltern-Bußgeld

Kinderärzte und Kinderschützer haben Strafzahlungen für die Eltern jugendlicher Komatrinker abgelehnt. Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" stattdessen verpflichtende Sozialstunden für Minderjährige, die wegen Alkoholmissbrauchs in einer Klinik behandelt werden mussten. "Es wäre sinnvoll, wenn die Jugendlichen anschließend drei Wochenenden Dienst in einer karitativen Einrichtungen machen müssten, damit sie mal über ihr Verhalten nachdenken", sagte Hartmann.

Den Vorstoß des CDU-Gesundheitspolitikers Jens Spahn für eine stärkere finanzielle Beteiligung von Eltern, deren Kinder sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, hält Hartmann für nicht praktikabel. Juristisch wäre das kaum durchzusetzen, denn der Vorsatz beim Komasaufen sei kaum nachzuweisen, sagte Hartmann.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund kritisierte den Vorschlag Spahns. "Auch wenn Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild sind, kann es passieren, dass die Kinder mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen", sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers der Zeitung. Er rate Eltern, ihre Kinder an Schulen zu schicken, die präventiv gegen Gewalt, Alkohol und Drogen vorgehen.

Spahn will Eltern sogenannter Komatrinker mit bis zu 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen. Hintergrund ist die wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die wegen eines Vollrauschs in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Bei SPD und Grünen stieß der Vorschlag auf Ablehnung.

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