Kinder mit Behinderung: "Mein Sohn ist von 7.30 bis 20.30 Uhr permanent an meiner Seite"

Birk Grüling

Kinder mit Behinderung kommen in der Debatte über die Öffnung von Schulen und Kitas kaum vor. Drei Mütter berichten von ihrem Alltag in der Corona-Krise.

Förderschulen wurden auch geschlossen – nur spricht kaum jemand darüber. © Fredrik von Erichsen/​dpa

Eltern mit einem Kind mit Behinderung organisieren ihr Leben normalerweise mit einem Konstrukt aus fein aufeinander abgestimmten Maßnahmen. Die Kinder besuchen eine Schule, inklusive Freizeitangeboten und Therapien. Ihnen wird für die Schule eine Betreuerin oder ein Betreuer gestellt und auch die Großeltern unternehmen stundenweise etwas mit den Kindern. Durch die Corona-Pandemie ist dieses Konstrukt zusammengestürzt. Kai Pakleppa, Familienexperte beim Lebenshilfe Bundesverband, sagt: "Viele Eltern, mit denen ich Kontakt habe, fühlen sich schlicht ungesehen und übergangen. Sie übernehmen nicht nur die Betreuung, sondern auch die Pflege und Förderung ihrer Kinder."

Tatsächlich kamen Kinder mit Behinderung in den Empfehlungen der Akademie der Wissenschaften Leopoldina oder in den Ansprachen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten bislang kaum vor. Dabei gibt es in Deutschland fast genauso viele Förderschulen wie Gymnasien. Verbindliche Vorgaben gibt es für sie anders als für alle anderen Schulformen nicht. An manchen Förderschulen startet der Betrieb wieder, allerdings nur für die Schülerinnen und Schüler, die die Hygieneregeln einhalten können. Andere bieten nur stundenweise eine Notbetreuung an. Es geht auch anders: In den Niederlanden etwa wurde der Regelbetrieb der Förderschulen als Erstes wieder aufgenommen. Von ihrem Alltag berichten drei Mütter.

Steffen* hat das Downsyndrom und besucht normalerweise eine Förderschule. Seit neun Wochen ist der 14-Jährige nun zu Hause. Über die herausfordernde Zeit berichtet seine Mutter Birgit Meier.

Steffen braucht aufgrund seiner Behinderung eigentlich den ganzen Tag unsere Aufmerksamkeit. Zum Beispiel läuft er weg, wenn wir nicht auf ihn achten. Auch sonst kann er sich selten mit sich selbst beschäftigen wie andere 14-Jährige ohne Behinderung. Mein Mann und ich arbeiten in der Logistikbranche. Homeoffice ist nicht möglich. Zum Glück leben die Großeltern nebenan und können uns wenigstens stundenweise entlasten. Sie sind beide über 80 Jahre alt und gehören zur Risikogruppe, aber anders geht es nicht. Für eine Betreuerin müssten wir 26 Euro pro Stunde zahlen und zwar aus eigener Tasche. In Vollzeit wäre das viel zu teuer, nur stundenweise hilft uns das wenig.

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