Klöckner stellt Verfahren zur Beendigung von Massentötung männlicher Küken vor

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ein marktreifes Verfahren zur Geschlechtsbestimmung von Küken im Brutei vorgestellt. Die von ihrem Ministerium geförderte Innovation soll die Massentötung männlicher Küken beenden helfen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ein neues marktreifes Verfahren zur Geschlechtsbestimmung von Küken im Brutei vorgestellt. Die von ihrem Ministerium geförderte Innovation soll die Massentötung männlicher Küken beenden helfen. Klöckner sprach am Donnerstag von einem "großen Tag für das Tierwohl in Deutschland" - die Umweltschutzorganisation BUND und Politiker von Grünen und Linken zeigten sich hingegen skeptisch.

Das sogenannte Seleggt-Verfahren wurde von einer gleichnamigen Firma entwickelt, hinter der der Supermarktkonzern Rewe und ein Technologieunternehmen stehen. Per Laser wird über ein winziges Loch in der Eierschale eine Probe aus dem Ei entnommen und auf Anwesenheit bestimmter Hormone untersucht. Männliche Bruteier können dadurch bereits vor dem Ausbrüten aussortiert werden.

Nach Angaben von Seleggt ist das vom Landwirtschaftsministerium mit fünf Millionen Euro geförderte Verfahren marktreif und soll in einem nächsten Schritt zur Serienreife gebracht werden. Rewe will ab November alle seine Rewe- und Pennymärkte in Berlin mit Freiland-Eiern von Legehennen aus Eiern beliefern, die das neue Verfahren durchlaufen haben. Im nächsten Jahr soll das dann in sämtlichen Rewe- und Pennymärkten in Deutschland der Fall sein.

Parallel will Seleggt ein Geschäftsmodell entwickeln, um seine Technik allen Brütereien in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Jedes Jahr werden laut Landwirtschaftsministerium in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet, da sie später keine Eier legen und auch im Vergleich zu weiblichen Küken nicht genug Fleisch ansetzen.

BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz forderte, nötig sei ein "grundsätzliches Umdenken". Eier der männlichen Küken noch vor dem Schlüpfen auszusortieren, sei keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht, "denn Hennen müssen auch weiterhin Höchstleistung erbringen."

Sinnvoll sei es vielmehr, die Geflügelwirtschaft auf "Zweinutzungslinien" umzustellen, forderte Wenz. Damit sind Hühnerrassen gemeint, die sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion geeignet sind - bei denen also auch männliche Küken aufgezogen werden könnten und ihr Fleisch dann vermarktet würde.

Ähnlich äußerte sich die agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, Kirsten Tackmann. Die Technologie sei ein "Irrweg" - dabei lägen die Lösungen auf dem Tisch: "Zweinutzungsrassen fördern sowie Initiativen, die die sogenannten Brüderhähne mitaufziehen und über einen geringfügig höheren Preis pro Ei refinanzieren".

SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch erklärte, im Koalitionsvertrag sei festgelegt, dass das Töten von Eintagsküken bis zur Mitte der Legislaturperiode beendet werde. Klöckner müsse nun "ein verbindliches und konkretes Konzept vorlegen, wie sie das Ende des Kükentötens bis September 2019 erreichen wird." Die Zeit der schönen Worte und Ankündigungen sei vorbei.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast kritisierte, die große Koalition sei der "Alptraum der Tiere". Daran könne auch die Einführung der Brückentechnologie zum Ende des Kükentötens nichts ändern, sagte die frühere Agrarministerin der Nachrichtenagentur AFP. Zudem mache Klöckner dies genau einen Tag vor der von ihr gewollten Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration. "Ein Schelm wer dabei Böses denkt."